Ich gehöre einer Generation an, die zwischen Konfirmation und Schulabschluß vorsorglich noch einen Tanzstundenkursus zu absolvieren hatte. Unsere Eltern glaubten damit wären wir Mädchen rundum gut auf’s weitere Leben vorbereitet.

Wir lernten den Cha-Cha-Cha, natürlich den Wiener Walzer, auch Tango und sogar den Jive. Vielleicht war auch die Rumba dabei, denn der Tanzlehrer hatte ein Faible für die südamerikanischen Rhythmen. Den Mambo lernte ich aber erst durch George und das war am Sylvesterabend 2014.

mambo
Theoretisch ganz einfach: Fuß heben, Schritt nach vorne, Gewicht verlagern, zurück. Egal ob Mambo oder Salsa, der Grundschritt passt immer. (Man muß nicht barfuß tanzen 😉

George ist ein guter Tänzer, ich spiele zwei Klassen tiefer, aber er nimmt mir die Scheu und schon haben wir Spaß. Wann immer ich ihm auf den Füßen stehe, wertet er es als innigen Beweis meiner Zuneigung. Auf dieser Basis klappt es gut, wenn es wohl auch nicht zum Dirty Dancing reicht.

An Ostern wurden im NDR musikalische Wünsche erfüllt und da hörte ich ihn wieder, “unseren” Mambo. Ich erkannte das Lied sofort und nun wußte ich auch den Titel. Natürlich habe ich mir das Musikstück gleich downgeloaded, denn die Erinnerungen an “das erste Mal” hütet ja wohl jeder gerne.

Als ich mir die Musik dann aber in voller Länge anhörte, traf mich fast der Schlag. Es beginnt mit einem kurzem Dialog zwischen einer Frau und einem Mann. Egal, welcher Interpret, immer startet das Lied damit. Vermutlich war es auch damals bei der Sylvesterfeier in London so, aber ich hatte es nicht gehört. Um so größer war jetzt die Überraschung:

Nein, Lucy ist nicht mein zweiter Vorname. Aber natürlich höre ich den Song jetzt noch lieber, und zwar immer von Anfang an 😉

Und weil ich gerade so schön aus dem Nähkästchen plaudere, -dafür hat der Engländer übrigens keine Übersetzung, noch nicht einmal annähernd, denn er würde es niemals machen-, setze ich noch einen drauf. Dafür müssen wir kurz ins Schlafzimmer gehen, aber ich verspreche, es wird nicht peinlich, sondern ziemlich komisch.

Gestern Abend war ich so aufgedreht, daß an Schlaf nicht zu denken war. George war wohl schon am Einduseln, ich aber saß mitten im Bett und schnatterte wie eine Ente. Er brummte von Zeit zu Zeit ein “yoo miskin quite roight”, was soviel wie “you are quite right” bedeutet. Das kann er aber wohl auch im Tiefschlaf als Endlosschleife abspulen. Es hat also nichts zu bedeuten.

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Meine Uku, knapp 60 cm.

Schließlich kriegte ich ihn doch noch wach. Er reckt sich, blinzelt in die Gegend, entdeckt meine neue Uku und greift sie sich. Die kleine Guitarre habe ich mir vor wenigen Wochen zugelegt, weil ich gerne ein bißchen Musik machen wollte. Leider habe ich nie ein Instrument richtig erlernt und scheiterte in hübscher Regelmäßigkeit, wenn ich es probierte. Aber ein guter Bekannter riet mir zur Ukulele, weil sie so einfach zu spielen sei und er hat nicht übertrieben. Tatsächlich kann jedes Kind schon nach einigen Stunden erste Lieder brauchbar begleiten.

Damit es überhaupt klingt, müssen die Saiten gestimmt sein. Das ist einfach, denn es sind nur vier und die sollten die Töne G-C-E-A haben. Das merkt man sich mit dem Satz “gute Clowns ernten Applaus”. Und als ich es George erzählte, merkte ich, daß das auch in der Übersetzung funktioniert: “great clowns earn applause“. Ein Satz in dem mehr Wahrheit steckt, als ich zunächst dachte. – Es dauerte gar nicht lange und George fand sich auf dem Instrument zurecht. Er ist ohne Frage der musikalisch Begabtere von uns beiden.

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Klein aber laut. Man kann auch einen Verstärker anschliessen.

Inzwischen hatte ich mich langgemacht, dafür saß George jetzt aufrecht im Bett und es sah schon komisch aus, wenn er das kleine Instrument mit seinen großen Händen umfasste. Schnell noch die Griffe für C- und F-Akkord einprägen und schon konnte er loslegen. Er entschied sich für “I wanna be like you“. Ein Lied das jeder kennt, wenn vielleicht der Titel auch nicht sofort Erinnerungen wachruft.

balu
Let’s dance! Oh, oobee doo, I wanna walk like you …

Now I’m the king of the swingers
Oh, the jungle VIP
I’ve reached the top and had to stop
And that’s what botherin’ me …

Ich mußte Tränen lachen und kriegte mich nicht wieder ein als er zum Refrain kam:

Oh, oobee doo
I wanna be like you
I wanna walk like you
Talk like you, too …

Na, erkannt? Klar, hier swingt Balu, der Bär aus dem Dschungelbuch zusammen mit Cousin Louie. – George zog es durch. Bis zur letzten Note wurde das Lied von ihm “vorgetragen”. Beim letzten “I wanna talk like you, walk like you, too” war ich nur noch am Japsen, weil mir schlicht die Luft wegblieb. Nun zum Glück kennt sich mein multi-talent auch mit Wiederbelebung aus. Das nennt man dann wohl “Lachen bis der Arzt kommt”.