Was wird sein, wenn wir morgen aufwachen? Dümpelt England dann noch im Ärmelkanal oder hat man über Nacht die Segel gesetzt? Heute könnte es sich im Parlament entscheiden, wann der Brexit offizielle in Brüssel beantragt wird. Wie immer halten sich die Engländer alle Optionen offen. Stimmen die Lords der Wiedervorlage des Antrag zu, dann könnte Theresa May morgen den Artikel 50 ziehen. Wenn sie erneut Änderungen wollen, dann geht die Vorlage zurück zu den Parlamentariern und das Spiel beginnt von vorne. Theoretisch lässt es sich bis in alle Ewigkeit spielen und es hat den griffigen Namen ‘Ping-Pong’. Der Regierung wären die Hände gebunden.

Die Schotten wurden konkreter. Sie wollen ihren Austritt aus dem United Kingdom durchziehen, sobald der Brexit offiziell wird. Dafür muß eine Volksbefragung durchgeführt werden und die soll im Herbst 2018 in Schottland stattfinden. Die Vorhersagen liegen bei 50:50 – das hatten wir irgendwie letzte Mal schon einmal. Eigentlich sprechen die Demoskopen vor Wahlen immer von einer fifty-fifty-chance und wundern sich nach der Auszählung der Stimmen über das 70:30 Ergebnis. How could it happen?

 

Mrs May beim morning briefing. Die Kollegen bittet sie gerne schon mal um 8:00 Uhr morgens an den Tisch.

 

Wenn man sich heute in London nicht einigen kann, wird es knapp mit der Ansage zum EU Ausstieg. Man will niemanden in die Quere kommen und deshalb den Brexit nicht zeitgleich mit der niederländischen Wahl verkünden. Und in der letzten Märzwoche feiern sich die Europäer dann selbst, denn die Römischen Verträge wurden vor 60 Jahren unterzeichnet. Sozusagen die Geburtsstunde der EU. Da wäre es ganz schlechter Stil, wenn die Briten bye-bye sagen würden. Obwohl sie wohl zur Party gar nicht mehr eingeladen wurden. Auch irgendwie kleinkariert. Small minded.

Ich bin ja ein bißchen bange, denn mir scheint der Druck, der auf Theresa May lasten muß, gewaltig. Aber andere sehen das ganz anders. Aussenminister Boris Johnson erklärte gestern der Presse, dass man ein Verhandlungsergebnis mit Brüssel überhaupt nicht benötigt. Eigentlich könnte man auch ohne jeden Vertrag dem Kontinent den Rücken kehren. Eine ambitionierte Ansage. Hintergrund dieses selbstbewußten Statements ist vielleicht das geplante Treffen mit den Verbündeten des Commonwealth in London. Dieser Staatenbund repräsentiert fast 2,5 Millarden Einwohner. Das relativert die 743 Millionen Eropäer, denen man gerade den Rücken kehrt. – George: “And the best: all speak English.”

 

London schmückt sich für den ‘Commonwealth Day’, der am nächsten Montag stattfinden wird. Klar, die Queen ist auch dabei.

 

Den noch größeren Aufreger liefert aber Schatzmeister Hammond am Donnerstag letzter Woche. Er präsentierte dem Parlament den neuen Haushalt und überraschte mit einer satten Erhöhung der Sozialabgaben für Selbstständige. Die sogenannte National Insurance erhöht sich um fast einhundert Prozent. Das trifft nicht nur gutsituierte Mediziner, sondern auch die vielen selbstständig arbeitenden Handwerker. Die Wogen schlagen hoch, denn eines der Wahlversprechen der Tories war es, keine Steuern oder Abgaben zu erhöhen. Das Geschrei ist groß und man fragt sich, ist das jetzt ein ganz schlechtes Timing oder will man von Schlimmeren ablenken? Aber was soll was aus dem Bewußtsein der Leute verdrängen? Das Budget den Brexit oder vice versa?

Ich war schon ganz durcheinander und dachte jetzt ist den Engländern aber endgültig der Humor abhanden gekommen. Und dann fand ich doch noch, was ich eigentlich erhofft hatte. Man bemühte mal wieder einen der Downing Street Cats, um das ganze Disaster zu erklären. Und schon lächelten die Leute und sagten: “Not bad at all.”

 

In den roten Mappen stehen die streng geheimen Zahlen des ‘Spring Budget 2017’. Niemand durfte einen Blick hineinwerfen, aber es war völlig in Ordnung ist, das Kater Gladstone sich daraus eine bequeme Unterlage gebaut hatte. Sein Kommentar: “Dear humans, sorry I got fur all over the book. I didn’t mean to, it was just very comfy”.

 

Und nun kommt George und macht mich darauf aufmerksam, dass ich die größter Katastrophe der letzten Woche noch gar nicht erwähnt habe. “Was meinst du?”, frage ich nach. Er zieht die Stirn in Falten und poltert los: “The price of a pint goes up for first time in five years! That’s a bitter blow.” Tja, da hat es den Mann gleich doppelt erwischt. Seit gestern abend muß er 2 Pence pro Pint mehr bezahlen und weil er selbstständig ist, wird seine NI auch noch kräftig erhöht. Ich werde ihn wohl künftig häufiger einladen müssen. Und schon strahlt er wieder. “You’re the sunshine in my life. Cheers!”