Seit einigen Monaten müssen die Supermärkte in London 10p für jede Plastiktüte verlangen. Please ten pee, lautet die umgangssprachliche Aufforderung, die anfangs viel Ärger verursachte. Statt zu zahlen, schob man lieber gleich mit dem ganzen Einkaufswagen nach Hause. Hat man dort die £ 1 Münze mit Gewalt aus dem Schloß geholt? Oder hat man das Pfand großzügig stecken lassen?

Übrigens brach zur selben Zeit eine Debatte los, ob man nicht endlich die lästigen Pence Münzen abschaffen sollte. One penny, two, five and ten pence coins standen zur Debatte. Das Hartgeld ist beim Engländer unbeliebt. Man ist modebewußt und kann ausgebeulte Taschen nicht leiden. Statt klimperndes Kupfer zückt man lieber die Kreditkarte oder zahlt gleich kontaktlos mit dem mobile phone

bag

Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt. Der Londoner zieht mit Jutebeutel in den Supermarkt. Was mich leider sofort in Sachen self-check-out zurückwarf. Inzwischen war ich längst eine versierte Selbstkassiererin und nun mußte ich dem Kassenroboter irgendwie mitteilen, dass ich einen mitgebrachten Beutel auf seine fein eingestellte Waage legen würde, deren Gewicht er bitte nicht als Einkauf berechnen darf! Gar nicht so einfach, aber lösbar, wenn man weiß welche Taste wann gedrückt werden muß. George kämpfte mit Problemen anderer Art. Er hatte sich mit einer besonders stabilen Tragetasche ausgestattet. Sie kostet dreimal soviel wie die dünnen Dinger, wird aber mit lebenslanger Garantie verkauft. Jetzt ist der Henkel abgerissen. Er hält mir das ramponierte Stück vor die Nase, deutet auf die unübersehbare Aufschrift Bag for Life und fragt mich ängstlich “Should I be concerned?” Nein, ich würde es nicht als Omen werten.

Für seine Generation ist er erstaunlich unkompliziert, wenn es um Gender spezifische Arbeiten geht. Er geht einkaufen, kann kochen, kümmert sich um Garten und Bienen und kann seine schmutzige Wäsche alleine reinigen. Okay, bei mir ist es ähnlich; ich brauche ihn nicht um einen Schrank zusammenzubauen und bin ihm technisch um Längen voraus, wenn es um die Bedienung einer Kamera geht (Profimodell). Andererseits fühle ich mich nicht unterdrückt, wenn ich seine Hemden mitbügel. Im Gegenteil, ich mache es ganz gerne. Der Grund für die unübliche Toleranz in unserem Alter ist wohl ein ganz banaler. Wenn man sich für ein Singleleben entscheidet, muß man in der Lage sein sich und den Haushalt funktionsfähig zu halten. Es sei denn, man lebt am Eaton Place mit Angestellten im Souterrain. George kann einer Diskussion über Gender typisches Verhalten nichts abgewinnen. Er glaubt nicht an große Unterschiede im Denken von Mann oder Frau. Sein Kommentar ist abgeklärt: “Men and women must stop thinking about. It’s all a bit of grey area.”

dog-mess
Bis zu £125 sind fällig. Es wird gewarnt: The leaving mess on the ground could make a child go blind. Wer reibt es sich denn in die Augen? Aber grundsätzlich ist es richtig, die Scheisse muß weg.

Die Nachbarin klingelt. Aufgeregt steht sie mit Barney vor der Haustür. Der Hund würde gerne unsere Küche inspizieren, aber das lässt sie nicht zu. An kurzer Leine, ungewohnt, steht er schweifwedeln neben ihr. Sie hatte gerade ein Erlebnis im Park, dass sie jetzt loswerden muß. Ein Polizist hat sie kontrolliert. Er wollte den poo-bag sehen, den jeder Hundebesitzer bei sich haben muß. Barney’s Hinterlassenschaft ist einzutüten und mitzunehmen. Sie konnte keinen zeigen und wurde verwarnt. Dabei hatte sie den Beutel bereits gefüllt im Abfalleimer entsorgt, was erlaubt ist. Soll sie den jetzt durchwühlen? Nächstes Mal sind £100 Strafe fällig! Eine stolze Summe. Die Nachbarin ist noch immer ganz aufgeregt, aber George kann sie beruhigen. Nein, sie soll mal lieber keinen Brief an die örtliche Verwaltung schreiben. Lieber künftig immer ein paar poop-bags (er benutzt immer diese Variante, die m.E. falsch ist) mitnehmen. 

Als sie weg ist, schüttelt er den Kopf. Er hat sehr wohl gemerkt, dass die Frau wirklich angespannt war und gerade darum wiederholt er zum x-ten Mal seinen Rat: Never respond to your fears, always only to the specific situation. Und damit hat er recht, seitdem ich es befolge spare ich mir viel unnütze Aufregung. Aber dann hat er noch einen Ratschlag und den kannte ich noch nicht. Er stammt von Auntie Ingrid, die noch immer in New York bei ihren Kindern weilt. Sie hatte dem jungen George, als er noch Teenager war, zwei wertvolle Einsichten mit auf den Lebensweg gegeben. Er hat sie behalten. 

  1. Marry only for love, but if she has money so much the better
  2. Never, ever, write a letter without wondering how it would sound if read out in Court.