Ich muß eine Warnung voran stellen: This post in not for reading to anyone under six inches.


Eine ereignisreiche Woche steht bevor. Am Sonntag werden die Uhren auf die Winterzeit zurückgedreht. Praise halleluja, kann ich da nur sagen, denn mir bekommt die verschobene Sommerzeit ganz und gar nicht. Ich mag es nicht, wenn es beim Zubettgehen noch taghell ist. Meine Biouhr scheint gut zu funktionieren, sie will sich partout nicht zweimal jährlich neu justieren lassen. Dann, am Dienstag, ein Feiertag außer der Reihe. Ich konnte es gar nicht glauben, aber 500 Jahre Reformation kann nicht ignoriert werden. Als ich noch zur Schule ging, war der letzte Oktobertag jedes Jahr ein arbeitsfreier Tag und eigentlich ideal für einen Dombesuch geeignet. Dort wurde aber aus Pietät/Respekt (?) keine Musik gespielt und damit war das dann eine trübe Sache. Irgendwie ist es komisch, aber sobald die Kirche ins Spiel kommt, zieht sich der Humor zurück. Jedenfalls bei uns, in Luthers Kirche. Die Katholiken sind wohl deutlich lebensfreudiger und die Anglikaner sowieso. Den Feiertag nehme ich natürlich trotzdem gerne mit. Ziemlich überrascht war ich, als ich in der TV-Zeitung las, dass sogar die BBC am Dienstag Abend einen britischen Spielfilm mit dem Titel ‘Luther’ zeigen wird. Dann merkte ich aber, dass damit der Detektiv John Luther gemeint war. Das könnte man sich ansehen.

Die Engländer feiern auch den 31. Oktober, allerdings nicht wegen Luther, sondern um als Halloween Gespenst beim Nachbarn zu klingeln. Trick or treat heißt das Motto und ist auf jeden Fall einen Besuch im Pub wert. Der Engländer verkleidet sich gerne und deshalb ist dieser Tag genau nach seinem Geschmack. Eigentlich ist es das Harvest Festival, denn Halloween ist ein amerikanischer Import. ‘Harvest’ bedeutet Ernte und weil die jetzt eingebracht ist, hat man Zeit zu feiern. Ausserdem glaubten die Kelten, die die Tradition begründet hatten, dass um diese Jahreszeit die Grenze zur Geisterwelt brüchig wird, und der eine oder andere Verstorbene plötzlich auftauchen kann. Weil die Geister gerne auch mal übel gelaunt waren, schützte man sich vor ihnen, indem man ihnen selbst ordentlich Angst machte.

 

Die Bonfire Night am 5. November ist eine Mischung aus Karneval und Silvester. Am wichtigsten ist das Feuer, in dieser Nacht wird so manches in Brand gesetzt.

 

 

Der Wochenhöhepunkt findet dann am Sonntag statt. Manch einer wird da wohl durchfeiern. Sonntag, 5. November, wird die Guy Fawkes Night zelebriert. Dann brennen überall in der Stadt riesige Holzstapel, wie wir sie vom Osterfeuer kennen. Der praktische Engländer nutzt den Abend gerne, um sich vom Sperrmüll und dem Herbstlaub zu befreien. Mit anderen Worten es stinkt wie die Pest, aber es ist auch ein bißchen wie Silvester. Man steht mit einem Glas Sekt im Garten und guckt über den Zaun, was denn so nebenan passiert. Bei älteren Londonern werden Erinnerungen an früher wach, als noch alle Häuser mit Kaminfeuer beheizt wurden. Der nächste Herbststurm wird den Gestank wegblasen.

 

Am Abend des Guy Fawkes Day liegen dicke Rauchschwaden über London.

 

Ein ganz besonders originelles Halloween Kostüm macht in London gerade Furore. Es sind die sogenannten ‘Penis Puppets’, die liebevoll von Hand gestrickt wurden. Die Männer sind begeistert und können es gar nicht abwarten, endlich auch den besten Freund originell zu verkleiden. Immerhin kann es im November abends schon kalt werden und man(n) möchte alles gut gewärmt wissen. Ich glaube die Woche kann lustig werden, da ist doch wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Für ‘trick or treat’ bin ich zu schüchtern, aber ‘Remember, remember, the fifth of November’ könnte ich mich erwärmen.

 

Nun gucken Sie nicht so entsetzt. Ich hatte Sie schließlich gewarnt.