In den letzten Wochen kann man abends heimliches Treiben mitten in London beobachten. Mal reitet die königliche Garde im vollen Wichs die Mall entlang, und das im abendlichen Dämmerlicht, dann wieder sieht man Offiziere mit Bärenfellmütze im Wind stehen. Testen sie aus, wie lange die Mützen dem Sturm standhalten? Manche sitzen schon ganz schief auf den Köpfen aber niemand rührt die Hand. Ein kurzes Zurechtrücken wäre unverzeihlich. Wahrscheinlich würde der Betreffende sofort entlassen werden. Oder drei Jahre Steinbruch in Wales, bei halber Essensration.

Grund des regen Treibens im abendlichen Zwielicht ist natürlich der Feiertag, der am nächsten Wochenende in London stattfindet und von der BBC in alle Welt übertragen wird. Trooping the Colour nennt sich das Spektakel. Eine bunte Militärparade zu Ehren der Queen. Alljährlich am zweiten Samstag im Juni feiert die Queen ihren Geburtstag. Aufmerksame Blogleser werden sich jetzt wundern, denn ich hatte bereits Anfang April von dem Ehrentag berichtet. Hat die Queen mehrmals im Jahr Geburtstag? Nein, aber sie feiert ihn besonders schlau.

Auch in England wird gestreikt, zur Zeit verweigert ausgerechnet die Müllabfuhr den Dienst. Wenn sich niemand ersatzweise findet, wird die Fußgarde in diesem Jahr durch Müllberge marschieren müssen. Aber ich bin sicher man wird rechtzeitig eine Lösung finden.  

Fairerweise muß ich erwähnen, dass die Verlegung der Geburtstagsfeier von April in den Juni keine Erfindung von Queen Elisabeth ist. Schon früher wurde die Parade im Juni zum Anlaß genommen, den Monarchen hochleben zu lassen.

Als Grund wird das  gute Wetter im Juni genannt, aber das ist natürlich Blödsinn. Ich sage das so gerade heraus, weil man auch in England die “Schafskälte” kennt und die macht sich immer in der ersten Junihälfte breit. Kaum wurde den Tieren der Wollmantel “ausgezogen”, schon werden urplötzlich die Nächte wieder kalt und die “nackten” Schafe bibbern sich durch den Schlaf. Also meteorologisch ist die erste Junihälfte keine sichere “Sonnen-Bank”.

Für Queen Elizabeth wird es einen viel näher liegenden Grund gegeben haben, der alt überlieferten Tradition aus vollem Herzen zuzustimmen und ihre eigene Geburtstagsfeier auf den zweiten Samstag im Juni zu verlegen. Und der Grund ist ihr Ehemann, dem sie bekannterweise sehr zugeneigt ist. Er, Prince Philip, Duke of Edinburgh, hat am 10. Juni Geburtstag. Und alle paar Jahre fällt dieser Tag auf den zweiten Samstag des Junis. Voilà! Dann kann man zusammen feiern und wenn man sehr verliebt ist, bedeutet einem das etwas. Glauben Sie mir, ich spreche aus Erfahrung.

Ein schönes Bild. Ich bin längst bekennender Royal-Fan. Ich habe die Queen zwar noch nicht gesehen (doch 1962 ? in Hamburg!), trotzdem ist sie stets in London gefühlt präsent.

Übrigens wird die Queen mich in einer Sache schwer beneiden: Ich habe am 12. Juni Geburtstag! Und zwar richtig, nicht nur gefeiert. Den Tag hätte ich gerne in London verbracht, aber nun sind wir beide, George und ich, in Hamburg und das ist mir genauso lieb. Also happy birthday allen Juni/April-Geborenen. Und auch wenn ich keinen Royal Salute erwarte, bin ich doch gespannt, was George sich für mich ausgedacht hat. Mein Geschenk habe ich zwar schon bekommen und natürlich habe ich wie immer gesagt: “quite simply, keine Party, nix Großes, no big expenditure” aber wenn er das wörtlich nimmt, wäre ich schwer enttäuscht.

Wenn an meinem Geburtstag (Freitag) alles schiefgeht, kann ich mir immerhin einen Tag später die Feier der Engländer live im TV ansehen und so ein bißchen tun, als würden sie auch für mich marschieren. Immerhin wird traditionell zum Abschluß der Marsch “Preußens Gloria” von Johann Gottfried Piefke gespielt! Ich glaube die Londoner Zuschauer haben keine Ahnung nach wessen “Pfeife” die königliche Fußgarde Richtung Buckingham Palace abmarschiert! Das finde ich wiederum ganz amüsant. Ich werde es mir mal als Option merken; es wird sich eine Gelegenheit finden diese Anekdote zum Besten zu geben.

Happy birthday! oder wie George mir wohl ins Ohr flüstern wird: “Chuffed bufty.” Es heißt dasselbe, ist in keinem Dictionary zu finden, wird aber nördlich des 51° Breitengrads von jedem Engländer verstanden. Es kommt vom Herzen und das zählt.