Es gab mal einen englischen Skispringer mit dem Namen Eddi The Eagle. Alle drückten dem sympathischen Briten die Daumen, dass er die Qualifikation zu den diversen Wettkämpfen überstehen möge, weil man ihn zu gerne springen sah. Eddi rauschte die Sprungschanze runter, hüpfte über die Kante und fiel wie ein Stein senkrecht runter. Aber er gab nie auf. Klar, er war als Engländer schwer benachteiligt. Bis heute gibt es auf  der Insel keine Trainingsanlage und keine schneebedeckten Berge. Andererseits war er der einzige Engländer, der diese Sportart ausübte und damit automatisch startberechtigt. Ohne Konkurrenz durfte er sich jedes Jahr aufs neue englischer Meister nennen. Ganz schön clever. Seine Bestweite betrug bescheidene 73,5 Meter! Ein Martin Schmidt, gegen den er zu seiner aktiven Zeit antreten mußte, schaffte locker die 130 Meter Linie. Eddi war ein witziger Vogel. Etwas flügellahm aber very british.

 

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Eddi the Eagle. Flügellahm aber immer gut für einen Witz.

 

Das England auf einer platten Insel liegt stimmt nicht so ganz. Kaum fährt man westwärts, Richtung Wales, kommt man in hügeliges Gebiet. Im Schottischen Hochland dürfte es richtig steil bergan gehen. Ich war leider noch nie dort. Aber auch im nördlichen England gibt es eine Hügelkette, die sich 400 km lang durch das Land zieht und zu Recht als Mittelgebirge bezeichnet wird. Ich spreche von den Pennines. Gesprochen [penainz]. Die Bergkette beginnt bei Birmingham und zieht sich immer in nord-süd Richtung bis zur Schottischen Grenze. Eine eher dünnbesiedelte Landschaft von traumhafter Schönheit.

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Schafe ohne Ohrmarken. Who is who? Wer erkennt den Stallgenossen?

Dort, in Englands Norden, grasen die Schafe im Sommer auf den endlosen Wiesen. Farmer lassen sie mehr oder weniger unbaufsichtigt durch die Täler laufen. Erst im Spätherbst werden die Tiere wieder eingefangen und in den heimatlichen Stall geführt. Die Farmer können sie leicht an den Ohrmarken erkennen. Trotzdem kam es in den letzten Jahren zu unerklärlichen Schwund. Jeden Herbst waren weniger Tiere in der Herde, das machte stutzig.

Andererseits fand man immer mehr Woolies, die keine Ohrmarken trugen. Sie waren ganz offensichtlich entfernt worden. Da hatte jemand nachgeholfen, ein Schafsdieb war unterwegs. Und damit war es ein Fall für die Polizei. Es dauerte gar nicht lange und man hatte über 100 Schafe gefunden, die nicht markiert waren. Wie sollte man nun deren rechtmäßige Besitzer ermitteln?

Nun mit sowas kennt die Polizei sich aus. Eine Gegenüberstellung würde schnell Klarheit bringen. Gesagt, getan. Letzte Woche war es soweit, eine missing sheep parade wurde organisiert. Gut 18 Farmer sahen sich gut 100 Schafe an. Ist das meins? Kennen wir uns? Liegt Stallgeruch in der Luft?

Ich weiß nicht wie erfolgreich die Aktion war, aber ich hoffe sehr, dass alle Schafe zugeordnet werden konnten. Sollte es mißlungen sein, dann wird man wohl aufrüsten und die Forensiker müssen anrücken. Ich fragte George schon mal vorauseilend, ob er Finger- äh Hufabdrücke oder gleich DNA Tests nehmen wird. Der tippte sich nur mit den Finger an die Stirn. Eine Geste, die ihm lange fremd war; zum Glück hat er mich gefunden. Die Polizei hat etliche Fotos von den verlorenen Schafen gemacht und die werden jetzt bestimmt in die stets hungrigen Datenbänke eingefüttert. Und als hätten die braven Tiere es gewußt, waren sie sofort hellwach und haben prima mitgemacht. Alle reckten den Kopf  und zeigten genüßlich ihr sheepish grin.