Kein TV-Krimi ohne Leichenschau. Die medizinische Forensik ist längst fester Bestandteil der Handlung und bietet ja auch spannende Momente. In der Realität beschäftigen sich Pathologen zwar überhaupt nicht mit “verdächtigen Todesfällen” und Gerichtsmediziner haben überwiegend mit lebenden Opfern zu tun, aber das wollen wir nicht so eng sehen. Wenn aber die smarten Ärzte aus der Serie Silent Witness die Abendunterhaltung gestalten, muß ich darauf achten, dass George beschäftigt ist. Wenn Prof. Dalton, mit Nikki und Sexy-Harry sich und dem Zuschauer eine fiktive Welt vorgauckeln, liegen die Nerven meines Doktors blank. Zu viel Heroismus, zu wenig Witz.

 

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Wenn die TV-Forensiker loslegen, sinkt bei uns die Stimmung. Die drei Helden versuchen sich gerne auch als Detektive, Ermittler oder Anwälte. In der Realität ist Neutralität oberstes Gesetz, auch wenn es manchmal schwerfällt.

 

Ja, natürlich darf auch im forensischen Betrieb gelacht werden. Es gibt einige Zeitgenossen, die etwas vertuschen möchten und dabei nur allzu naiv vorgehen. So versuchte es auch eine Rentnerin, als sie ihrer Familie den unerwarteten Tod ihres Mannes mitteilte. “He had died peacefully.” Mit der Nachricht liess sie sich einige Tage Zeit und dafür gab es einen handfesten Grund. 

Tatsächlich war der Mann vom eigenen Auto überrollt worden und starb noch am Unfallort. Vielleicht, -ich wünsche es ihm-, trat der Tod sofort ein, aber von einer peacefully situation würde ich trotzdem nicht sprechen. Schließlich stellte sich heraus, dass eine Verkettung von Fehlentscheidungen den Tod verursachten. Das Ehepaar war gerade mit dem Auto aus dem Urlaub zurückgekehrt und wollte auf das eigene Grundstück fahren. Der Mann stieg aus, öffnete das Tor und fiel dabei hin. Die Frau, die am Steuer saß, sprang aus dem Auto, wollte dem Mann helfen, vergaß aber die Handbremse zu ziehen. Im post mortem Report heißt es ganz neutral: The pensioner had died from compression asphyxiation after being crushed by the weight of the car, which fractured his sternum and broke his ribs. Moralische Beurteilungen wird man hier niemals finden, es sei denn eine Filmkamera läuft im Hintergrund. Vor Gericht wurden dann aber doch noch deutliche Worte gesprochen: “The death [of your father] is absolutely devasting and this was not a natural case. It started off as a complete web of lies.”

Apropos Gericht. Eigentlich hat man im liberalen England selten mit der Polizei zu tun. Wenn es beispielsweise Probleme mit Nachbarn gibt (laute Musik, über den Zaun hängende Äste, bellende Hunde …), dann muß man es selbst regeln. Der Engländer kennt kein Lärmschutzgesetz. Dafür aber ein ‘antisoziales Verhalten’. Wem dieses Vergehen nachgewiesen wird, -und es gibt amtliche ‘anti-social behaviour‘ Beauftragte-, kann einpacken. Es ist das Schlimmste, was einem nachgesagt werden kann. Wer tatsächlich verurteilt wird und ins Gefängnis muß, verliert automatisch das Wahlrecht. Die EU wettert dagegen an, aber die englische Gesellschaft basiert auf die freiwillige Einhaltung der ‘sozialen Manieren’. Nur so ist es möglich ein friedfertiges Miteinander zu sichern, ohne staatliche Überwachung. Erst in England merkte ich, wie wichtig den Deutschen der Ruf nach Ordnung und Gesetzt ist. Engländer regeln das untereinander selbst.

Einige Dinge allerdings sollte man in England tunlichst vermeiden. Zum Beispiel Falschparken oder das Rauchen im Auto wenn Personen unter 18 Jahren mitfahren. Das wird richtig teuer. Schon kleine Verstöße kosten 80€ Strafe und wenn man nicht binnen Wochenfrist zahlt, verdoppelt sich der Betrag. Hart durchgegriffen wird auch in Sachen Müll. Ein Ehepaar mußte 220€ bezahlen, weil sie erwischt wurden. Sie hatten Kirschen genascht, jeder ca. fünfzehn süße Früchte, und die Kerne hinterlassen. Keine Gnade; £80 (110€) pro Nase!

 

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Das Rentnerpaar mit ihren Strafzetteln. Jeder mußte 80 Pfund bezahlen. Heftig für eine handvoll Kirschkerne. Foto: Daily Telegraph.

 

George guckt mir über die Schulter und will wissen ob ich inzwischen schon aus medizinischen Reports öffentlich berichte? “Nein, keine Bange, ich gebe nichts Privates preis. Obwohl, der Bericht über deine logistischen Probleme beim Wasserlassen hat alle Rekorde gebrochen. Noch nie gab es so viele like-it Klicks!”.

Schweigen, dann nach gefühlten zwei Minuten die schlagfertige Antwort: “You posted the very personal piece of mine???” Natürlich nicht, keine Fotos. Deine Privatsphäre wird bestens von mir bewacht und ggfs. verteidigt. Kopfschüttelnd verlässt er den Raum.

Jetzt hat er mich ganz verunsichert. Weil ich bzw. mein Blog in den nächsten Wochen vermutlich unter ‘special investigation and supervision’ stehe, wechsel ich mal lieber auf neutrale Themen. Und da hat sich wieder eine Menge nettes angesammelt. Zum Beispiel das Foto vom Miniatur-Dorf in Devon. Engländer lieben diese kleinen Nachbauten, die liebevoll ganze Dorfgeschichten erzählen. Dieses Dorf wird oftmals von einer Katze besucht, die ganz in der Nähe zu Hause ist. Sie sitzt stundenlang ganz ruhig zwischen den kleinen Häusern und bietet dem Besucher eine ganz neue Sicht auf die Dinge.

 

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Die Katze ist echt. Sie ist sehr vorsichtig und hat noch nie jemanden über den Haufen gerannt.

 

Ein anderes Foto ist mir in diesen Tagen aufgefallen. Es zeigt Prinz Charles mit seiner Frau Camilla. Eigentlich keine besondere Situation, weil die Royals  ständig von Fotografen begleitet werden. Nun mag man über den Thronfolger denken was man will, eines ist er gewiß, nämlich außergewöhnlich. Wenn ich auch seine Ansichten nicht immer teile, mag ich doch sein konsequentes Eintreten für die Umwelt und den Naturschutz. Sein Privatleben war turbulent und stand immer im öffentlichen Fokus. Seine Frau, Camilla, hatte es aus vielen Gründen extrem schwer. Inzwischen ist sie angekommen, hat sich die Zuneigung der Menschen verdient erarbeitet. 

Das Foto fiel mir sofort auf. Kann ein Mann seine Frau aufmerksamer ansehen als hier geschehen? Der Blick, das Lächeln drückt alles aus, was Frischverliebte normalerweise zeigen: Völlige Konzentration auf den anderen, Offenheit, Besorgnis, Schutz, liebevolles Wahrnehmen. Alle Achtung, wenn man sich das alles über Jahre bewahrt. Wenn ich mir etwas wünschen darf, dann würde ich mir einen solchen Blick von George in, -legen wir die Latte nicht zu hoch und sagen wir mal-, drei Jahren wünschen. – Falls er “kontrollierend” mitliest, weiß er jetzt was auf ihn zukommt.

 

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