Es muß Anfang 2015 gewesen sein, als George mir einmal sagte, dass die durchschnittliche Autogeschwindigkeit in der Londoner Innenstadt weniger als 30 km/h betragen würde. Er wollte mir damit den Tipp geben, dass ein Taxi für kurze Strecken nicht die beste Wahl ist. Oft ist man zu Fuß schneller am Ziel. Inzwischen hat sich einiges geändert. Aktuell dürfte der Wert noch weiter gefallen sein, denn inzwischen wurden viele Radwege quer durch die City fertiggestellt, die dem Autofahrer viel Platz nehmen. Selbst auf der Autobahn M25, die London kreisförmig umschließt, wird streckenweise nur noch eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 22 km/h gemessen. Das ermittelte man beispielsweise auf dem westlichen Teil des Motorways, der der Hauptzubringer zum Airport Heathrow ist. Das gilt zwar nur für die Hauptverkehrszeit am Abend, aber längst ist der Stau auch tagsüber garantiert.

 

Auf der sechsspurigen M25 ist man abends mit durchschnittlich 22 km/h unterwegs. Vom Flughafen Heathrow lasse ich mich schon lange nicht mehr abholen, die Fahrt mit der Underground ist schneller uns stressfrei. Die Autobahn führt einmal rund um London und soll den Verkehr aus der Innenstadt fernhalten.

 

Jetzt dürfte sich die Situation für Londons Autofahrer noch einmal verschärfen. Ab sofort werden viele Straßen rund um den Buckingham Palace täglich zwischen 10:45 bis 12:30 Uhr für den Verkehr gesperrt. Genau dann findet die ‘Changing of the Guard’ Zermonie statt. Eines der beliebtesten kostenfreien Shows für Touristen, immer von über tausend Menschen besucht.  Das Fahrverbot ist eine direkte Reaktion auf das LKW-Attentat in Berlin. Leider muß man auch in London mit Anschlägen rechnen und nirgends sind regelmäßig mehr Menschen versammelt als vor dem Palast. 

 

 

Es ist traurig, dass man inzwischen Terrorangriff in den Alltag einplanen muß, aber es ist schön, dass man auf den prachtvollen Wachwechsel nicht verzichten will. Natürlich könnte man es ganz anders, ganz unauffällig organisieren, aber das wäre ein schwerer Verlust für das Londoner Lebensgefühl. Übrigens findet der Wachwechsel täglich statt, allerdings nicht immer mit Musik und allen Regimentern. Das volle Programm wird im Winter an jedem zweiten Tag geboten, egal ob in der Woche oder auch mal am Sonntag. Im Sommer findet der Wachwechsel täglich mit Musik und Reitern statt. Die Soldaten kommen von den Wellington Barracks und lösen ihre Kollegen im Buckingham und im St. James’s Palace ab. Man muss nicht in der Menge stehen, sonder kann das Ganze auch am Strassenrand abpassen. Ich füge mal eine Karte ein, die die Wege zeigt. Man marschiert über den Bird Cage Walk, bleibt vor dem Buckingham Palace stehen und trifft dort auf die alte Wache. Einige ziehen weiter zum St. James’s Palace.

 

 

Wenn es nicht gerade in Strömen giesst oder die Pferde vor der sprichwörtlichen Apotheke Halt machen müssen, dann findet die Zeremonie nach einem genauen Zeitplan statt. So kann man sich bestens vorbereiten:

 

11:30 Official start time
11:37 The Old Guard of The Queen’s Life Guard rides past
11:40 St. James’s Palace relief leaves Buckingham Palace
11:55 St. James’s Palace contingent, of the Old Guard, leaves St. James’s Palace
12:10 Old Guard leaves Buckingham Palace for Wellington Barracks
12:15 St. James’s Palace Detachment of The Queen’s Guard leaves Buckingham Palace.
The Buckingham Palace Detachement of the Queen’s Guard then retire to the guardroom.
 
 
 
Schön isses, wenn sie ganz in der Nähe vorbeimarschieren. Und es ist ganz schön laut. Deshalb für Kinder nur bedingt geeignet.
 
 
Dabeisein ist alles. Der Wachwechsel ist aber auf jeden Fall ein Pflichttermin für jeden Londonbesucher. Wann immer ich vormittags in der City of Westminster bin, versuche ich wenigsten einen Blick auf die Rotröcke erhaschen zu können. Und wenn die Soldaten dann an einem entlangreiten, dann kann man gar nicht anders als stehenzubleiben, sich gerade zu machen und innerlich wie äußerlich Haltung anzunehmen. Hoffentlich wird die fröhliche Show niemals von bösen Ereignissen überschattet werden.