The Queen’s Guard bewacht den Buckingham Palace und natürlich auch und ganz besonders die Königin. Normalerweise werden die Soldaten vormittags abgelöst und das wird zelebriert. Der Wachwechsel ist eines der beliebtesten Ereignisse und Touristenziele in London. Ab neun Uhr füllt sich der Vorplatz rund um Queen Victoria. Die thront über der Menschenmenge und dreht dem Ganzen ihren Rücken zu. Ich kann sie gut verstehen, es wird sie längst langweilen. Wer bis halb zehn keinen Platz gefunden hat, muß sich in die hinteren Reihen einfügen. Um direkt am Gatter des Palastes zu stehen, muß man noch etwas früher kommen. Darauf habe ich verzichtet, stattdessen ausgiebig in Covent Garden gefrühstückt. Gut gestärkt habe ich mir dann einen Platz an der Straße gesucht, gleich am Absperrgitter, strategisch gut an einer Kurve gelegen. So hatte ich freie Sicht auf The Mall, den Palast und die kleine Spur Road, direkt davor. Damit war ich  gut abgesichert, denn man weiß nie ganz genau von wo die Soldaten anrücken werden. Changing the Guard ist eine größere Angelegenheit, als die meisten meinen. Da werden sowohl die Wachsoldaten im Kensington -und Buckingham Palace getauscht, als auch im nahegelegenen St James’s Palace. Weit über hundert Soldaten marschieren auf und zwar aus ganz verschiedenen Richtungen. Sie kommen aus den Wellington Barracks am Südrand des St James’s Parks, aber auch aus den Hyde Park Barracks, quer durch den Green Park. Und so kann man die Männer durchaus vor der eigentlichen Zeremonie, auf ihrem Weg zum Buckingham Palace, abfangen und in aller Ruhe fotografieren. Ausserdem ist nie ganz gewiss, welches der drei Tore sie passieren werden und ob sie denn nun die westliche oder östliche Spur Road wählen werden. Da kann es passieren, dass man am falschen Ort steht und die ganze Bande hinter einem vorbeimarschiert. Dann hat man Lehrgeld gezahlt und wird es beim nächsten Mal schlauer machen.

 

 

 

Im Winterhalbjahr findet der Wachwechsel meisten am Montag, Mittwoch, Freitag und Sonntag statt. Die Queen ist wohl noch auf ihrem Schloß in Sandringham, deshalb werden nicht ganz so viele Wachsoldaten benötigt wie sonst üblich. Natürlich wird Musik gespielt. Darauf mag man nicht verzichten und ohne Frage wird hier auch den Zuschauern Tribut gezollt. Sie sollen so gut wie möglich unterhalten werden und das ist eine dickes Dankeschön wert. Schließlich zahlt man keinen Pfennig. Der Londoner nimmt es gelassen hin, dass er jeden zweiten Tag einen Umweg fahren muß, weil die Hauptverkehrsstrassen rund um den St James’s Park für einigen Stunden gesperrt werden. Die Polizei ist mit einem Dutzend Mitarbeitern vor Ort, darunter auch vier Pferde, und diese Akribie in der Durchführung zahlt sich aus. Es wird den Besuchern eine perfekte Show geboten, das muß man wirklich mal anerkennen.

Als ich an der Strasse stand und gebannt in alle Richtungen schaute, um ja nix zu versäumen, hörte ich plötzlich die Musik. Erst ganz leise, dann kamen sie schnell näher. Das waren die Männer aus der Wellington Kaserne, die jede Minute näher rückten. Ich machte mich und vor allem die Kamera bereit, um im richtigen Augenblick die Aufnahme zu starten. Ganz nahe marschierten sie an mir vorbei, nutzen jeden kleinen Umweg, damit auch alle Zuschauer einmal Gelgenheit hatten sie gut zu sehen, und strebten dann auf das ganz rechte Tor am Palast zu. Das war weit von mir entfernt und so konnte ich sie eine ganze Weile verfolgen. Dann verschwanden sie auf den Hofplatz, wo mir die Sicht versperrt war, ich aber noch sehr gut die Musik hören konnte. Und ich staunte nicht schlecht. Kein Parademarsch, keine Trommelwirbel, nein, es war das Thema von ‘Goldfinger’, dass von dort zu mir herüberklang.

 

 

Gestern wurde etwas ähnliches geboten. Es zeigt, wie aufgeschlossen die Wachsoldaten gegenüber den Touristen sind. Immerhin sind das keine Operetten Gardeoffiziere sondern gut ausgebildete Elitesoldaten, mit Schnellfeuerwaffen und scharfer Munition. Trotzdem versuchen sie so viel Unterhaltung zu bieten, wie möglich. Davor ziehe ich meinen Hut. Gestern reagierte man auf die Golden Globe Verleihung, die keine 24 Stunden vorher stattfand. Man spielte zu Ehren des gefeierten Schauspielers Rami Malek das Thema aus ‘Bohemin Rhapsody’. Was für eine tolle Idee. Es gibt Videos auf YouTube zu sehen. Dazu wurde von den begeisterten Zuschauern getwittert: “So cool!” und “I have a whole new respect for Her Majesty The Queen!!!” und “Buckingham palace has never been this cool!” Volltreffer, die Königin hat ein paar neue Fans gefunden. 

Nicht ganz so cool aber mit copyright, jedenfalls für das Video, nicht für die Musik. Ich habe ja nicht mitgetrommelt, allerdings wohlwollend den Fuß im Takt bewegt. Mein Wachwechsel Erlebnis im Dezember 2018. Die Verwackler bitte ich zu entschuldigen, es war eines meiner allerersten (!) Videos, und dafür ‘not bad at all’: