Der kleine George muß Schuluniform tragen während sein Opa sich britisch eigenwillig anziehen darf. Nun ja, alles zu seiner Zeit. Gestern war es soweit, der junge Thronfolger hatte seinen ersten Schultag in London. Begleitet wurde er von seinem Vater, Prinz William. Seine Mutter wäre sicherlich gerne dabeigewesen, aber sie erleidet erneut die morgendlichen Beschwerden einer Schwangeren in heftigster Form. Da bleibt ihr nur das Bett und der Trost eine eigene Toilette ganz in der Nähe zu haben. Hoffentlich geht es ihr bald besser. Eigentlich ist der Kalender randvoll mit offiziellen Terminen, aber zum Glück ist die Familie groß und andere springen sicherlich gerne für sie ein. Beispielsweise die Schwiegereltern, die den irischen Präsidenten mit Gattin begrüßten. Charles wählte den Schottenrock, -ich vermute das Treffen fand in Balmoral statt-, alle anderen waren hochelegant gekleidet. Ich finde den Kilt eigentlich ganz kleidsam, aber war die Wahl der Kniestrümpfe glücklich? Wahrscheinlich ist deren Muster und Farbe genauso fest geschrieben wie das Karo im Rock, aber ich fand es schon ziemlich lustig. Ein bißchen punkmäßig, oder? 

 

Am besten finde ich die Schnallenschuhe. – Bei den Strümpfen ist der Engländer mutig. George trägt knallrot oder signalgrün zum schwarzen Anzug. Allerdings sind die Socken immer lang genug, dass auch beim Beineübereinanderschlagen keine Haare herausluken. Man(n) ist eben stilsicher.

 

Der vierjährige George startete gestern seine Schulkarriere. Er mußte wie tausend andere Erstklässler rechtzeitig erscheinen. Am ersten Tag natürlich von den Eltern begleitet. Die platzen vor Stolz und sind irgendwie hypernervös. Wahrscheinlich merken sie gerade, dass der jüngste, der gestern noch ein Baby war, jetzt erstmals tagsüber nicht zu Hause sein wird. Obwohl die meisten bereits die Erfahrung der Vorschule gemacht haben, aber das fühlte sich für die Erwachsenen noch anders an. George, -seinen Prinzentitel hat er zu Hause im Kensington Palast gelassen-, gehört zwar zu den jüngsten in seiner Schulklasse, aber jedes englische Kind geht spätestens mit fünf Jahren in die Schule. Der manchmal schüchtern wirkende Prinz wird künftig in Battersea den Tag verbringen, das ist südlich der Themse, gleich gegenüber vom Chelsea Harbour. Mit dem Fahrad könnte er in zwanzig Minuten zu Hause sein, der Kensington Palace liegt nicht sehr weit entfernt. Aber das wird sicherlich nicht passieren, trotzdem ist die Schule erstaunlich wenig (sichtbar) von Security Guards abgeschirmt. Noch einen Tag vor der Einschulung konnte eine Mutter eines Mitschülers ungehinert bis in die Klassenzimmer kommen. Sie fand das erstaunlich, aber man sagte ihr, sie müsse sich keine Sorgen um den Schutz des prominenten Schülers machen. Sobald er da ist, wird die Sicherheit hochgefahren ohne das die anderen sich wie im Gefängnis fühlen. Ein Balanceakt für den ich nicht verantwortlich sein möchte.

 

Hier wurde George eingeschult. Eine private, aber ziemlich ‘normale’ Ganztagesschule für Jungen und Mädchen. Gleich daneben ist die Royal Academy of Dance. Damit wird er auch zu tun haben.

 

George könnte acht Jahre auf dieser privaten Tagesschule bleiben, übrigens mit Jungen und Mädchen, aber erst einmal soll er sich eingewöhnen. Natürlich ist die Schule elitär und teuer. Man spricht von rund 20.000 Euro Schulgeld pro Jahr. Da staunen wir, aber wer in England Wert auf gute Ausbildung seiner Kinder legt, ist leicht mit drei- bis vierhundert Euro im Monat belastet; pro Nase. Dafür sind die Kinder ganztägig in besten Händen, bekommen erstklassiges Mittagessen und die Eltern haben Zeit um ihren Karrieren nachzugehen. Manches an diesen Schulen hat mich sehr überrascht und ich wäre froh gewesen, wenn ich es auch erlebt hätte. Beispielsweise die erste und wichtigste Regel. Sie lautet: Be kind! Den Kindern wird vorgelebt, dass Unterschiede in Glaube, Ansichten und kulturellen Gewohnheiten nicht nur toleriert sondern ausdrücklich von den Lehrern begrüßt werden. Statt Gleichmacherei wird Individualität gefördert, die Kinder sollen den Mut finden auch unpopuläre Meinungen zu äußern und sich gegen den Mainstream mutig zu behaupten. Der junge Prinz wird mit etwa 20 Schülern in einer Klasse sitzen und auch in den Genuß kommen Ballett zu lernen. Genau wie die Schauspielerei und das aktive Musizieren oder Singen. Kunst nimmt an englischen Schulen viel mehr Raum ein als bei uns. Das gehört zur Basisausbildung und nicht in freiwillige Nachmittags AGs. Zur Ehrlichkeit gehört aber auch, dass der Fremdsprachenunterricht nicht sehr ernst genommen wird. Warum auch, wenn alle anderen Englisch sprechen?

 

Früher hieß die Schule wohl einmal ‘Sir Walter St John’s School’, jedenfalls steht das auf dem Schild am Giebel. Das Haus ist innen sicherlich moderner ausgestattet, aber es sieht nicht nach einem Hochsicherheitstrakt aus. Offen stehende Fenster, keine Gitter.

 

Die Schuluniform gilt für alle Schüler. Egal wie reich oder arm, man sieht es den Kindern nicht an den Klamotten an. Auch die Kleidung an der Thomas’s Battersea, bestehend aus Bermuda Shorts, Kniestrümpfen und Jacket, wird als preisgünstiges Paket bei Marks & Spencer verkauft. Das ist kein hohe finanzielle Hürde, für niemanden. M&S ist so eine Art englischer C&A. Allerdings könnte es schon sein, dass George ein handgeschneidertes Hemd trägt, das wäre kein Hindernis, wenn es identisch mit den Sachen der Mitschüler ist. Englische Eltern haben also nicht das Problem teure Markenklamotten kaufen zu müssen, nur damit der Nachwuchs in der Schule bestehen kann. Übrigens sind auch ‘best friends’ unerwünscht. Man hält die Kinder an, sich möglichst mit vielen zu vernetzten und keine isolierten Freundschaften zu schließen. Wenn man den Nachwuchs an einer solchen Schule unterbringen will, dann ist ein Anmeldung kurz nach der Geburt geboten. Die Nachfrage ist hoch. Ich denke ein künftiger König wird ausnahmsweise auch kurzfristig aufgenommen. Auf jeden Fall war die Schulleitung höchst erfreut und ziemlich überrascht, dass man ihr Kollegium ausgewählt hatte. Sie erfuhren es erst vor wenigen Wochen. Good luck George and have a lot of fun.

 

* * *

 

Don’t forget: Morgen finden die Last Night of the Proms statt. Die BBC überträgt das Spektakel live und zum Glück haben sich auch deutsche TV Sender angeschlossen. Einige Dritte Programme übertragen ab 22:00 Uhr. Dann beginnt die zweite Hälfte des Konzerts und die ist die unterhaltsamere. Auch nicht Engländer können mitsummen oder gar -singen: Rule Britannia, Britannia rule the waves. Britons never, never, never shall be slaves. Ob Double-D seinen Europäischen Brexit Kollegen dazu eingeladen hat?