Es ist eine Binsenweisheit und doch verdrängen wir sie gerne. Jeder weiß, dass ihm der Tod eines Tages auf die Schulter klopfen wird, aber man verdrängt es gerne. Ist es dann passiert, dann startet ein Trauerritual. Man organisiert die Beerdigung, trifft sich zur Trauerfeier und hinterlässt Kränze mit Schleifen und letzten Grüßen. Ist das in England genauso? Ja und nein. Einen großen Unterschied macht die freie Wahl der Begräbnisstätte aus. Man muß die Asche des Toten nicht in einer Urne auf einem Friedhof vergraben. Man kann sie mehr oder weniger überall verstreuen, beispielsweise im Wasser oder in der Natur. Auffällig sind die Unterschiede während der Abschiedsfeier. Die beinhaltet in England oft eine gute Portion Humor. Als Abschiedsmusik wird an häufigsten ‘Always look on the bright side of life’ gewählt, was mich ziemlich verwirrt hatte, als ich es erstmals erlebte. Nicht selten sorgen die Verstorbenen selbst vor und überlegen sich ein paar gute Gags für ihren Heimgang. Denn eines ist wichtig und das ist ‘the last laugh’. Für den sollte man eigentlich auch als Toter sorgen, sozusagen als letzter Gruß an die Hinterbliebenen. 

 

Tears of a clown. Jährliche Trauerfeier in der Kirche für den Künstler Grimaldi. – Foto: H. Nicholls

 

Churchill soll kurz vor seinem Tod gesagt haben: “I am ready to meet my Maker. Whether my Maker is prepared for the great ordeal of meeting me is another matter.” Das Multitalent Peter Ustinov wußte zu berichten: “A friend of mine stopped smoking, drinking, overeating, and chasing women – all at the same time. It was a lovely funeral.” Generell versucht der Engländer auch dem Tod eine humorvolle Seite abzugewinnen, aber Vorsicht, man kann sich schnell verheddern. Lieber den Mund halten, denn die Grenze ist hauchdünn und sie verläuft genau zwischen den Begriffen ‘seriousness’ und ‘solemnity’. Ernsthaftigkeit ja, aber bitte keinen Pathos. Der Deutsche macht es oftmals andersherum. Bei den Engländern gilt, dass eine humorvolle Rede am offenen Grab in Ordnung geht, aber niemals ein langweiliger Vortrag. Ich muß wohl nicht sagen, dass die Witze nicht auf Kosten des Toten gemacht werden. Feine Selbstironie, dass macht englische Lebenskunst aus.

Letzten Monat starb einer der großen englischen Komiker. Vor wenigen Tagen fand die Beisetzung statt. Sein Name war Freddie Starr und wohl jeder Engländer verbindet ihn mit der legendären Schlagzeile in der Sun, also der englischen Bild-Zeitung. Die titelte im März 1986: ‘Freddie Starr ate my hamster’. Aber das ist schon wieder eine ganz andere, sehr komische Geschichte, und die sollte ich mir aufsparen für einen neuen Beitrag. Freddie hat für seine Beerdigung gut vorgesorgt, denn er hat seinen Sarg mit einem letzten Gruß an die Fans versehen. Den verbreite ich hier gerne. Good luck, Freddie and farewell.