‘Hauptsache wir haben uns köstlich amüsiert’. Das ist das Lebensmotto des Engländers. Es ist Pflicht und gleichzeitig Vergnügen andere zu unterhalten. Mit einem guten Witz, Wortpiel oder spontaner Slapstick Comedy. Immer gewürzt mit einer Portion Selbstironie. Das macht jeder und das kann jeder, weil man es von früh auf lernt. Wer nicht unterhalten kann, kein Entertainer ist, der steht weit unten auf der sozialen Leiter. 

Mir fällt es ziemlich schwer mitzuhalten. Man macht mir aber keinen Vorwurf, denn man versteht, dass ich nicht gut genug Englisch spreche. Oft verstehe ich die kleinen, feinen Anspielungen nicht, geschweige denn dass ich sie selbst erzeugen könnte. Andererseits reisse ich unabsichtlich einen Witz nach dem anderen, eben auch wegen meiner sprachlichen Unfähigkeit. Das lässt man durchgehen, das reicht als Unterhaltungsangebot.

Immerhin kenne ich inzwischen die richtige, weil erwartete Antwort, auf die Frage: “Where would we be without a sense of humour?” Na klar, es muß heißen: “Somewhere in Germany“. – Wahrscheinlich kannten Sie den Witz schon? Kein Schenkelklopfer? Oder englisch empfunden: “that will leave you rolling on the floor“?

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Auch für den politischen Witz gilt: In der Kürze liegt die Würze. Dieser Cartoon wurde einen Tag vor der Parlamentswahl veröffentlicht. Ich finde ihn saukomisch und genial, denn der Witz entsteht erst im Kopf des Betrachters. Da lacht jeder über seine höchst eigene Assoziation!

Gut, dann sehen wir uns einen anderen Aspekt des britischen Humors an, nämlich den witzigen Umgang mit Politikern. Die stehen natürlich in der Kritik und man zieht sie gerne durch den Kakao. Gnadenlos deckt man ihre Schwächen auf und hängt ihnen passende Etiketten um. Aber auch bei diesem Spiel ist die Fairness oberstes Gebot und deshalb wird nie persönlich diffamiert. Wo der Deutsche sich an Äußerlichkeiten wie Frisur, Brille, Kleidung usw. festbeißt, investiert der Engländer mehr Geist. Beispielsweise nerven nach der desaströs verlorenen Wahl zwei Labour Abgeordnete mit endlosen Interviews. Was ihre Schwächen sind, wird geschickt mit ihrem Vornamen verbunden und so kommentiert ein Moderator die Interviews spontan mit der Beschreibung: “Eddi the expert and Clarrie the commentator.” Bravo, da wurde alles auf den Punkt gebracht. – Und nächste Woche läßt man sich was Neues einfallen.

Wenn dem Engländer aber tatsächlich mal die Worte fehlen, dann macht er es eben ohne. Dann greift er zur schauspielerischen Einlage. Da wird getanzt, gesungen oder Grimassen geschnitten. Man ist sich für kein “Possenreissen” zu schade und ausgerechnet da tue ich mich generell schwer. Ich verkleide mich nicht gerne, bin viel zu kopflastig um den dummen August zu machen. Das sind für mich peinliche Momente (wenn ich es machen soll) und ich kann nur schwer über meinen Schatten springen. Dabei freue ich mich diebisch über die anderen, die diese Scham nicht haben und mich immer wieder zum Lachen bringen, bis die Tränen laufen. Ich würde es auch gerne können bzw. diese Lockerheit haben.

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Shakespeare unter einer Regie wie sie die Engländer lieben. Weltklasse Schauspieler sind sich für keine Posse zu schade.

Übrigens sind englische Eltern meistens erfreut, wenn ihre Töchter oder Söhne Schauspieler werden wollen. Das ist ein höchst ehrenhafter Beruf. Bei uns sehen das wohl viele anders. Jedenfalls wenn das eigene Kind in diese Richtung strebt.

Die gekonnte, witzige, geistreiche Unterhaltung hat einen hohen Stellenwert in England. Das ist ein Fähigkeit, die sehr geschätzt wird. Kinder wachsen damit auf und werden automatisch zu humorvollen Personen. Es ist die Quelle des britischen Humors, den wir als spleening bezeichnen und das ist er natürlich auch. Es scheint einem so, als könne der Engländer nicht anders, aber er weiß sehr genau was er da macht und es steckt “harte Arbeit” hinter seiner witzigen Schlagfertigkeit.

Manchmal spielt aber auch der Zufall in die Karten. So geschehen auf einer Beerdigung in London vor wenigen Tagen. Die 71-jährige Mair Howard war gestorben und man hatte sich zum Gottesdienst in der Kirche versammelt. Es waren viele Freunde und Angehörige gekommen. Nach der Feier wurde der Sarg in einem Leichenwagen zum Friedhof gefahren, wo die Beerdigung stattfinden sollte. Die Trauergäste folgten in ihren eigenen Autos. Es goß in Strömen und wahrscheinlich war die Sicht schlecht, als man einen der vielen Roundabouts (Kreisverkehr) passierte. Diese Kreisel sind viel größer als bei uns. Sie sind oft mehrspurig und haben häufig weitere Kreisel an jeder Ausfahrt. Ich hatte mal über den Magic-Roundabout in Hemel berichtet. Es ist der größte im Land; ein Alptraum für jeden Autofahrer. Siehe: “Es geht rund” 

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Mit diesem Wagen wurde der Sarg von Mrs. Howard transportiert. Er sieht aus wie jeder Leichenwagen, egal ob in England oder Deutschland.

Jedenfalls als der Leichenwagen in den Kreisel einbog, fuhr just im selben Moment ein zweiter Leichenwagen auch in den Kreisel, genau gegenüber. Das Unglück nahm seinen Lauf. Die nachfolgenden Fahrzeuge hatten für einen kurzen Augenblick den Kontakt verloren, sahen dann den zweiten Wagen, den sie für den ihren hielten, und folgten ihm die nächsten 9 Meilen (knapp 15km) über die A50. Den Irrtum bemerkten sie erst, als sie auf einem “falschen” Friedhof,  an einem Grab mit ihnen ganz unbekannten Trauergästen, standen.

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Hier passierte es. Der Roundabout in den die A50 mündet. Diese Kreisel sind kaum vermeidbar, denn es gibt viele. Aber wann immer ich auf einen solchen stoße, stellt sich mir prompt ein “hair-raising” ein.

Als der Kuddelmuddel (hodgepodge) aufgeklärt war, meinte der Sohn der Verstorbenen: “My mother would have laughed if she had seen her relatives travel nine miles in the wrong direction after mistakenly following the wrong hearse.” Da hat er Recht und eine schönere Beerdigung kann sich ein Engländer gar nicht wünschen.

A good laugh wurde mir heute morgen auch geschenkt. George hatte sich spontan (?) etwas einfallen lassen. Ich hatte das Frühstück vorbereitet und erwartete ihn frisch geduscht. Da geht die Tür auf und er steht splitternackend vor mir. Stemmt die Arme in die Hüften und sagt: “Don’t forget, ich habe die Hosen an!” – Lachend antworte ich “I have no doubt“. Keine Frage, nach dem Auftritt hat er seine Autorität für immer untergraben, aber was macht das schon, wenn man dafür einen herrlich unbeschwerten Start in den Tag hat. I love the english sense of humour!