oder man hört “it won’t last”, es wird wieder besser werden. So tröstet sich der Engländer normalerweise und ich dachte es mir nach der Brexit Abstimmung. Fast taggenau vor einem Jahr passierte es, dass die Briten für den Austritt aus der EU stimmten. Inzwischen sind sie in der Sache kaum weiter, aber schon zum zweiten Mal mitten in einer Regierungskrise. Niemand weiß eine Lösung, die Sache ist völlig verfahren.

Lange habe ich keinen neuen Beitrag geschrieben, es fehlte einfach die Lust. Nun auch noch die Terrorangriffe in London und Manchester. Und der grauenhafte Hochhausbrand, der apokalyptischen Charakters ist. Stellen Sie sich mal vor, Sie wohnen selbst in einem solchen Haus und schauen täglich auf die ausgebrannte Ruine. In London gibt es viele ähnliche Hochhäuser und bei vierzig hat man diesselben Mängel festgestellt: Brennbare Isolierung, kein zweites Treppenhaus, keine Sprinkleranlage. Sie müssten sofort evakuiert werden, aber das betrifft rund 100.000 Menschen und die hätten dann kein Dach über dem Kopf. Es ist zum Verzweifeln.

Gibt es auch gute Nachrichten? Nun ja, man macht das beste aus der Situation. Aber selbst der Geburtstag der Queen, das farbenprächtige ‘Trooping the Colour’, wirkte trist und gar nicht passend. Immerhin wurde ein Foto der Queen veröffentlich, dass sie hoch zu Pferd zeigt. Es wurde in Windsor aufgenommen und ist ganz aktuell. Das ist schon beeindruckend, wie die 91-jährige sich im Sattel hält. 

 

Kelvin Bruce hat diese schöne Aufnahme von der Queen gemacht. Die Dame ist über neunzig und traut sich was zu. Das ist schon bewundernswert.

 

In dieser Woche trifft man sich in Ascot zum Pferderennen. Die Rennwoche findet in der Nähe von London statt und ist das wichtigste gesellschaftliche Sportereignis des Jahres. Die Royals waren geschlossen vor Ort. Nur Prinz  Philip fehlte, denn er wurde nachts in Krankenhaus gebracht. Ein Infektion macht ihm zu schaffen. Das ist bei einem 96-jährigen Menschen immer eine ernste Sache. Wünsche wir ihm also gute Besserung.

In Ascot zeigt man sich angemessen gekleidet, im dunklen Cut und Zylinder. Ausgerechnet an diesen Tagen aber stieg das Thermometer auf ungewöhnliche 30+ Grad. Eine Hitzewelle, die in England nur selten über mehrere Tage anhält. Normalerweise zieht immer frischer Wind vom Atlantik über die Insel. Diesmal aber schwappt heiße Saharaluft ungebremst über den Kanal. Wer kann sucht sich einen Platz am Badestrand. 

 

Etwas schwungvoll steigt Sophie von Wessex in die Kutsche von Kate und William. War es die Hitze oder hatte man schon ein Gläschen Champagner?

 

 

Kaum ist es einmal heiß, da fällt prompt der Wasserdruck in den Leitungen. Die Reserven sind nicht üppig und sobald die Menschen ein bißchen mehr Wasser verbrauchen, geht es ans Eingemachte. In Sussex schmilzt derweil der Asphalt. Autofahrer stellen fest, dass ihre Reifen auf einmal eine zweite Schicht bekommen haben. Da kleben ganze Bitumenbrocken an den Pneus. Und wie reagiert man darauf? Man schickt Streufahrzeuge auf die Landstraßen und lässt sie Split und Sand streuen. Ob das hilft? Ist denn wirklich nirgends mehr der englische Humor zu entdecken? Doch, ein kleiner Junge, fand ihn im Biergarten. Zum Glück hatte er eine Kamera dabei und war schlau genug diese zu nutzten. Sein Bild titelte er als ‘Hot-Dog’ und gewann damit zurecht einen Preis. 

 

Dylan Jenkis hat den ‘Hot Dog’ im Biergarten beobachtet und fotografiert. Super Foto!

 

Keine Frage, das Jahr 2017 hat es bisher mit den Engländern nicht gut gemeint. Wenn ich die Stimmung in London mit meinen Erlebnissen vor zwei Jahren vergleiche, glaube ich auf einer anderen Insel zu sein. Vielleicht liegt es nur daran, dass ich in den letzten Monaten wenig dort war. Mag sein, dass mir der Zugang abhanden gekommen ist. Hoffentlich ist es nur das. Ich fürchte aber es steckt mehr dahinter. Der Engländer ist zutiefst verunsichert, er hat Angst vor der Zukunft und fühlt sich zunehmend bedroht. Mein Freund George wiegelt ab, alles nicht so schlimm. “We will not sink”, beruhigt er und falls doch, dann kann es nur an den vielen übergewichtigen Engländern liegen. “It’s as simple as that”, brummt er. “Wirklich?”