Ich trinke gerne Bier. Lieber als Wein, der bekommt mir nicht gut. Es ist wohl die Säure, die meinen sensiblen Magen verstimmt. Aber beim Bier bleibt alles ruhig und wenn dann auch noch die Kohlensäure fehlt, ist der gute Schluck garantiert. Mit anderen Worten, das englische Bier ist genau nach meinen Bedürfnissen gemacht. Das magenfreundliche Ale, oft auch ‘Bitter’ genannt, rutsch sanft wie Öl durch die Körperröhren. Und doch bestelle ich mir im Pub oft ein Lager Beer, wohl einfach aus Gewohnheit. Marken mäßig habe ich mich auf das ‘Camden Hells’ eingeschossen, es hat einen moderaten Alkoholgehalt, wird eiskalt serviert und schmeckt wie gutes, deutsches Pils. 

 

London Pub with taps for bitter and lager beer
Im Londoner Pub sollte man wissen, was man trinken will. Die Auswahl ist riesig. Diese Taps sind nur eine Auswahl des normalen Angebots. Die linken Hähne zapfen Lager Bier (kalt, mit Schaum, wie deutsches Bier) und die rechten das geliebte Bitter oder Ale. Auch das wird inzwischen kühl serviert, hat keinen Schaum, weil keine Kohlensäure enthalten ist. Es schmeckt wunderbar mild, kann aber hochprozentig sein. Meine Wahl ist das London Pride, damit macht man nichts verkehrt.

 

Inzwischen weiß ich, dass die Brauerei, die das Camden Hells herstellt, in London von jungen Unternehmern betrieben wird. Sie brauen ihr Bier nicht in Camden, sondern in Enfield, was nicht weit davon entfernt ist. Sie achten streng auf Umwelt- und Energie-freundliche Technik, und sind mir irgendwie sehr sympathisch. Vielleicht liegt es daran, dass ich mal ganz in der Nähe, in Barnet, lebte und sie deshalb als Nachbarn betrachte. Jetzt werben sie mit einem neuen Produkt. Es heißt ‘Camden Strawberry Hells’ und wird tatsächlich mit Erdbeeren versüßt. Es wird nur im Sommer gebraut, wenn die Früchte reif sind. Und auch hier haben die Brauer ökologisch entschieden. Statt langer Transportwege nutzen sie ausschließlich Früchte, die vor Ort reifen. Wie machen sie das? Denn in London gibt es glücklicherweise noch jede Menge Pubs, aber nur sehr wenig Raum für landwirtschaftliche Betriebe. Wo haben sie also die Felder gefunden, um ihre Erdbeeren wachsen zu lassen? Die Antwort ist überraschend: Man hat die vertikale Farm erfunden.

 

  Foto: Camden Hells Brewery. Die Unternehmer sitzen vor ihrer Erdbeerplantage, auf dem Firmengelände.

 

Auf kleiner Fläche kann die Brauerei genug Erdbeeren ernten, um ihr Bier damit zu bereichern. Ich bin schon sehr gespannt, wie es schmecken wird. Und als ich noch so darüber nachdachte, fiel mir plötzlich ein, dass mir der vertikale Garten schon beim letzten London Besuch aufgefallen war. Und zwar mitten in der Stadt, genau gegenüber vom Bahnhof Covent Garden. Dort steht ein viergeschossiges Bürohaus, dass in der Weihnachtszeit besonders schön aussieht. Es ist ganz und gar grün eingepackt und wird von einer riesigen roten Schleife geschmückt. Erst im Frühjahr wurde mir klar, dass es sich hier nicht um Dekomaterial handelte. Die grüne Fassade ist höchst lebendig und wird wie ein Garten gepflegt und gehegt. Das Haus ist Vorreiter einer pfiffigen Idee, nämlich wie man auch in einer dicht bebauten City große Grünflächen schaffen kann. Die dienen zwar nicht zum Hinsetzen in der Lunchpause, aber sie sind für Insekten, vor allem auch Bienen, wertvoll und überlebenswichtig. Prima Idee, da hat jemand ‘um die Ecke gedacht’. In London hat das schnell Nachahmer gefunden, jetzt auch in der Camden Hells Brewery, und wenn ich mit diesem Beitrag dafür in Hamburg werben kann, würde es mich freuen. Darauf ein gutes Lager Beer, cheers.

 

Statt Garten hinter dem Haus wächst hier das Grün an der Fassade. Ich vermute ein Bewässerungssystem wurde installiert, denn ein Gießen wäre schwierig. Gesehen in London, Ecke James Street / Long Acre.