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Die freundliche Heidi freut sich auf Ihren Besuch. Eine Nacht zusammen kuscheln.

Nebenan wird umgebaut. Lucifer und Ruby leben die nächsten Monate in einem Provisorium. Auch die Zwillinge Heidi und Indi sind ausqartiert. Erst im Mai 2016 soll das neue Domizil fertig sein, dann kann die WG wieder einziehen. Das lange Warten wird sich lohnen, denn das neue Lion Land wird ein Paradies werden. Ich spreche natürlich vom London Zoo, der mitten in der Stadt, im Regent’s Park zu finden ist. Früh morgens, bei Westwind, habe ich die Löwen schon brüllen gehört. George wohnt nicht allzuweit entfernt. 

Über den tierischen Weckruf am frühen Morgen habe ich schon einmal hier geschrieben und vielleicht wurde der Beitrag auch vom London Zoo gelesen. Jedenfalls hat man sich etwas einfallen lassen. Ab Mai kann man bei den Löwen übernachten. In unmittelbarer Nähe werden mehrere Lodges errichtet, die man jeweils für eine Nacht buchen kann. Der Preis pro Paar beträgt £400 (550 €), was nicht zu teuer ist. London ist eine teure Stadt. In dieser zentralen Gegend sind zwei- bis dreihundert Pfund für ein Doppelzimmer nicht ungewöhnlich. Warum also nicht gleich aufs Ganze gehen und das Safaripaket im Zoo buchen?

Spend a night ‘within roaring distance’ of the animals lautet der Slogan, der die Gäste locken soll. In jeder Lodge können zwei Erwachsene und zwei Kinder Platz finden; perfekt für den Familienausflug. Wer interessiert ist oder schon buchen will googelt: Gir Lion Lodge. In Verbindung mit einem low price ticket (Freitag, der 13. Mai!) haben Sie das perfekte Weihnachtsgeschenk.

London ist ein teures Pflaster. Überdurchschnittlich hohe Lebenshaltungskosten bei unterdurchschnittlicher Wohnqualität erwarten einen in der Metropole. Ein shopping weekend lohnt sich nicht. Auch Apple Computer oder Nikon Kameras kaufe ich in Hamburg günstiger ein. Aber es sind eher die kleinen Dinge, die ein Loch ins Portemonnaie reissen: der take away coffee, der Imbiss, die Getränke und die Pizza sind 30 – 50% teurer als in Hamburgs Innenstadt. Natürlich sind auch die Gehälter in London höher als im Umland. Davon bleibt aber nicht viel übrig. Schulgeld, Kindergartenbetreuung oder Nanny, egal ob für das Baby oder den Hund, und die Energiekosten sind Faktoren, die erschreckend hoch sind. Der teure Strom oder das Gas, verpufft im Nichts, weil die Häuser schlecht isoliert sind und mit solchen Mitteln beheizt werden. Man muß sich schon arrangieren, um über die Runden zu kommen. Kinder leben lange im Elternhaus, dazu ziehen dann oft noch die Großeltern ein. Drei- manchmal vier Generationen leben auf engsten Raum zusammen. Meistens sehr glücklich. 

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London ein teures Vergnügen. Bei frühlingshaften Temperaturen kann man im Hyde Park Schlittschuh laufen. Das Winter Wonderland mit vielen Attraktionen und jede Menge Essen und Trinken ist noch bis zum 3. Januar aufgebaut.

Hat man es dann geschafft, lebt man im eigenen Heim, läuft die Karriere, dann ist die nächste Bremse die Rente. England hat mit die niedrigste Rente in ganz Europa. Aktuell erhalten die Menschen durchschnittlich 38% ihres letzten Einkommens. Davon kann keiner leben. Ohne private Vorsorge droht der soziale Abstieg. Aber kaum einer hat Geld übrig, um sich privat abzusichern. Deshalb geht man einen anderen Weg. Man kauft Eigentum, verschuldet sich hoch und betrachtet Haus und Grundstück als Kapitalanlage, die im Alter gewinnbringend verkauft wird. Weil aber nie Geld zur Renovierung übrig ist, fehlt langfristig die Wertschöpfung. Bisher ging die Rechnung trotzdem auf, aber nur aufgrund stetig steigender Immobilienpreise. Platzt die Spekulationsblase, und das wird auf Dauer unvermeidlich passieren, droht der Mittelschicht Armut. Für mich ein ziemlich fragwürdiges System; für den Engländer das einzig vorstellbare.

Die Engländer sind so auf den Erwerb eines Hauses fixiert (dressiert), dass jetzt eine Diskussion aufbranden konnte, die ich fast grotesk fand. Im Rahmen der Flüchtlingsströme soll England im nächsten Jahr rund 216.000 Menschen aufnehmen. Sofort wies der Finanzminister darauf hin, dass das unmöglich sei, weil man nur 250.000 neue Häuser zu bauen plane. Dann würden nur noch 34.000 für die jungen Engländer zur Verfügung stehen. Und die brauchen diese Häuser, um ihren Fuß auf die social ladder zu bekommen, die sie dann auch vor der Verarmung im Rentenalter schützen soll. So wird grob vereinfacht gedacht. Diese Logik ist dem Engländer so klar wie Klossbrühe. Die Parlamentarier zeigten dann auch ihre volle Zustimmung, indem sie Yeah riefen und niemand kam auf die Idee zu widersprechen. Ich war sprachlos. Es scheint dem Engländer unmöglich zu sein, sich eine andere Wohnform als das eigene Haus vorzustellen. Wenn sich das bei den Hilfesuchenden herumspricht, werden sie künftig stracks durch Deutschland durchmarschieren, um die Wohncontainer einen Bogen machen, und gleich ins englischen Reihenhaus einziehen.

Lt. Umfrage sind 77% der Engländer bereit ihr Bett mit Hund oder Katze zu teilen. Wieviele ihren Gatten reinlassen, konnte ich nicht herausfinden.

Zum Glück betreffen uns Sorgen dieser Art nicht. Ich habe meine deutsche Rente, von der ich leben kann, und George wird wahrscheinlich in zwanzig Jahren noch seiner Arbeit nachgehen. Only some reports, only two times a week in the lab, only till summer … Von mir aus kann er ewig weitermachen, ich habe nichts dagegen und seine Patienten sind auch nicht wählerisch. 

Die Terrassentür muß offen stehen, denn Barney wackelt schon wieder durch’s Haus. Die Schwanzspitze verschwindet gerade auf der Treppe. Bestimmt packt er sich in’s Schlafzimmer, zum Glück immer auf die Seite wo George schläft. ‘If you lie down with dogs, you will get up with fleas’, lautet ein englisches Sprichwort, das kein Mensch beachtet. Ich hatte mal Katzenflöhe, unvergesslich.

Ich finde George im Garten. Er hat das supermoderne Gartenhaus geöffnet, will es wohl mal durchlüften. Der nagelneue Pavillon hat Wasser- und Strom, eine Veranda und sogar einen Kamin. Dazu ist er schick eingerichtet, hat eine Bar und einen Kühlschrank. Sogar TV kann hier geguckt werden. “Na, prüfst du wieviele Leute hier übernachten können? Mit Doppelbett könntest du bestimmt £200 pro Nacht nehme. Es gibt zwar kein Löwengebrüll in nächster Nähe, aber wenn du mit offenen Fenster schläfst, kommen die Gäste auch auf ihre Kosten.” “If you carry on like that, you will move into the shed.” Immerhin, denke ich mir, er schmeißt mich nicht ganz raus. Aber da muß ich mir wohl keine Sorgen machen, denn schon lockt er mit einem unwiderstehlichen Angebot für den Abend: “What do you think about? Let’s have a hot date with a mulled wine and a bar of chocolate. Here in the shed near to the stars.” Na, das ist doch mal eine originelle Art das Wunder der Weihnachtszeit zu erleben. Das ist ganz nach meinem Geschmack. “Alright” und grinsend fügt er hinzu “I think I’ll stick to giving Santa’s reindeer a carrot on Christmas Eve. Today we celebrate ourselves.”