Ist es wirklich schon ein ganzes Jahr her? Ich habe es wirklich nicht gemerkt und war ganz überrascht als ich heute morgen in der deutschen Presse über den Geburtstag der Queen las. Dort stand: “Enthüllt! Die Königin trinkt ihren Gin-Tonic um Punkt 18:00 Uhr”. Ich sage: “Bullshit. Was für ein Quatsch.” Das Getränk wird sie bestenfalls James Bond anbieten. Ladies veredeln ihren Gin Cocktail natürlich mit Champagner oder, noch besser, mit einem ordentlichen Schuß Dubonnet. Übrigens schmeckt der Wacholderschnaps auch sehr lecker mit Sekt und Holundersirup. Das ist meine erste Wahl um sechs. Zurück zum Geburtstag. Die Engländer haben den einundneunzigsten mit keinem Wort erwähnt und das ist gut so. Letztes Jahr wurde ganzjährig gefeiert und man würde das Jubeljahr nur nachträglich verwässern, wenn man jetzt wieder die Korken knallen lässt. Das weiß die Queen selbst am besten und verbringt den Tag ganz privat, im kleinen Kreis, in Windsor. Ausserdem hat sie traditionell zwei Geburtstage pro Jahr und wird ganz sicher wieder im Juni an der Trooping the Colour Ceremony teilnehmen. Dann kann man Fähnchen schwenken und sie hochleben lassen.

 

Hier, in der Bruton Street No 17, kam die Königin zu Welt. Das Haus steht wohl nicht mehr und es sieht auch gar nicht so elegant aus. Aber wir sind hier in Mayfair und einer der Shops gehört Stella McCartney. Das ist teuerstes London.

 

Ganz spurlos geht das heutige Ereignis aber doch nicht vorbei. Jedenfalls nicht in London. Mittags donnerten 41 Kanonenschläge durch den Hyde Park. Eine Stunde später rummste es an der Themse. Die King’s Troop Royal Horse Artillery zündete weitere 62 Salutschüsse am Tower und schließlich noch einmal 21 ‘Extras for the City of London’. Das reicht dann sogar für Geburtstagskinder, die bereits in ihrer zehnten Lebensdekade stehen. 

 

Großes Schauspiel. Als ich die King’s Troops das erste Mal live erlebte, dachte ich der Krieg wäre im Hyde Park ausgebrochen. Man feuerte aus allen Rohren, es knallte und rauchte, aber es flogen keine Kanonenkugeln.

 

Nehme ich den königlichen Geburtstag doch einfach Mal zum Anlass das Horoskop der Queen hier einzufügen, dachte ich mir. But it’s easier said than done! Im Internet fand ich gleich mehrere unterschiedliche ‘offizielle’ Versionen. Da sprang der Aszendenten von Steinbock, über Wassermann bis in das Zeichen Krebs. Ich rechnete selbst nach und landete beim Wassermann. Wie kann das denn nun bloß sein? Ich denke einer hat die Zeitangabe ‘pm’ mit ‘am’ verwechselt und andere haben übersehen, dass London, der Geburtsort, in der Zeitzone Null liegt. Oder bin ich jetzt auf dem Glatteis? Wer es weiß, soll mir bitte schreiben. Die Daten, die der Buckingham Palace zur Verfügung stellt, sollten wohl richtig sein: Princess Elizabeth Alexandra Mary wurde am frühen Morgen (2.40am) des 21. April 1926 geboren. Sie kam in London zur Welt, und zwar in Mayfair. Die genaue Adresse lautete: 17 Bruton Street. So, nun rechnet mal schön. Ihre Eltern waren übrigens der Earl und die Countess of Strathmore. Eliszabeth war ihr erstes Kind.

 

Welches Horoskop ist denn nun richtig? Kann es sein, dass manche eine Sommerzeit berechnen? Tatsächlich wurde die in England schon 1916 eingeführt. Aber sie galt NICHT im Geburtsjahr von Queen Elizabeth. Ich favourisiere das rechte Ergebnis.

 

Der Aszendent, das prägendste Merkmal neben der Sonne, scheint mir im Wassermann stimmig. Denn die Königin ist  im besten Sinne neugierig, gesellig und hat eine Schwäche für Sitcoms im TV. Alles Dinge, die ich dem erdverbundenen Steinbock eher nicht zurechne. Aber wie auch immer, viel interessanter ist das Datum. Denn Elizabeth II. wurde im Zeichen Stier geboren. Die Sonne war erst ganz kurz vor ihrer Geburt vom Widder in den Stier gewechselt und das ist natürlich kein Zufall. Da hat die kleine Seele gewartet, bis die Zeichen das ‘Los’ signalisierten. Man sollte auch den Ehemann nicht vergessen, der im Juni (Zwillinge) geboren wurde und zu dem Elizabeth eine ganz tiefe und innige Beziehung hat. Aber wer von Horoskopen etwas versteht, kann es sich selbst zusammenreimen, alle anderen wird es langweilen.

Eine ziemliche Sensation hat sich dann aber doch noch in der letzten Woche bei den Royals ereignet. Vielleicht haben Sie von der Kampagne “Heads-Together” schon gehört, die Harry, William und Kate sehr energisch unterstützen. Es geht um mental kranke Menschen. Junge und alte, die ein Trauma erlitten haben und tapfer versuchen damit umzugehen. Sei es durch Gewalt im Elternhaus oder durch Fronterfahrungen im Auslandseinsatz geschehen. Oder durch einen Schicksalschlag, wie ihn Harry und sein Bruder erlebt haben. Jetzt sprach der jüngste Sohn von Diana über seine jahrelangen Ängste, die ihn massiv quälten und behinderten, ganz offen. Ihm ging es wie so vielen seelisch verletzten Menschen, er bekam keine Hilfe, keinen Trost. Man erinnere sich nur mal an die Beerdigung seiner Mutter, die wir alle weltweit im Fernsehen verfolgt haben. Harry war zwölf Jahre alt, als er vor den Augen der Menschenmassen hinter dem Sarg seiner Mum hergehen mußte. Eigentlich war das eine öffentliche Seelenfolter und mal ehrlich, wer von uns hat es damals bemerkt? Es ist also sehr verständlich, wenn gerade die beiden royalen Brüder sich für das Tabu-Thema stark machen. Das Schweigen der Opfer soll endlich ein Ende haben. Und das formulierte Prinz William in dem schlichten, aber wahren Satz: “No more stiff upper lip, we must talk about our feelings”. Ich hoffe Sie stimmen spontan zu, aber für die Engländer kommt das einem Aufruf zur Revolte gleich. Man spricht nicht über Gefühle. Niemals. Es gilt bis heute in allen Schichten als ‘schlechtes Benehmen’. Es wird nicht ganz einfach sein, dies zu ändern. Aber mit dem höchst populären royalen Team besteht eine Chance. Es ist jedenfalls Tagesgespräch in London. “Let’s talk about our feeling.” Oha, da ist dann aber Schweigen in der Runde. Für mich natürlich eine Sternstunde, denn das Ausheulen über echte und auch Luxusprobleme übe ich täglich in Deutschland. Unser täglicher Small-Talk besteht aus Jammern, Klagen und Greinen. Endlich kann ich das jetzt einmal für einen guten Zweck einsetzen und den Engländer einen Weg durch das Dickicht zur eigenen Seele aufzeigen. Der Kampagne, die Harry jetzt durch sein offenes Interview befeuert hat, wünsche ich ganz viel Erfolg. Ach ja, und der Queen einen happy birthday

 

Die Heads-Together Kampagne ist auch im Internet: www.headstogether.org.uk