Endlich Ferien, endlich starten die Proms 2017. In Deutschland denken die meisten immer nur an die ‘Last Night of the Proms’, aber natürlich passiert in den Wochen zuvor eine ganze Menge. Genau genommen gibt es so gut wie jeden Abend ein ‘Promenadenkonzert’, meistens in der Royal Albert Hall. Zwei Monate lang kann man dort täglich Musik vom Feinsten erleben. Weltbekannte Dirigenten mit großen Orchestern, manchmal auch Sängern, und das alles an einem wundervollen, wirklich beeindruckenden Platz. Die Royal Albert Hall, -sorry liebe Hamburger Mitbürger-, stellt unsere Elphie dann doch in den Schatten. Macht aber nix, denn schließlich kommt es auf den Inhalt an.

 

Die Royal Albert Hall ist beeindruckend, aber es sind die Zuschauer, die die Atmosphäre ausmachen. Und da sind mir die Engländer sehr sympathisch. Sie haben Stil, Witz und sind erstaunlich gut auf das Konzert/Theaterstück vorbereitet.

 

Die vor uns liegenden Promenadenkonzerte sollen dem ‘einfachen Mann’ *) die klassische Musik nahebringen. Das ist der eigentliche Zweck und der Veranstalter, die BBC, hält sich strikt daran. Nichts Schweres, tiefgründiges, sondern mehr die beschwingte Wiener Klassik. Ich bin wirklich kein Experte, kann aber mit den meisten Angeboten etwas anfangen: Die Symphonie Fantastique von Berlioz, Tchaikovsky’s Pathétique, Die Planeten von Holst und natürlich das erste Klavierkonzert von Brahms. Er war Hamburger mit Dithmarscher Wurzeln. Man glaubt es kaum, oder?  Gewünscht habe ich mir dann aber etwas ganz anderes und George hat tatsächlich Karten bekommen. Wir werden uns ‘Swing no end’ anhören und das könnte schon einen Vorgeschmack auf den legendären letzten Abend bieten. Man plant nämlich einen Musik-Wettstreit: “Two roaring big bands battle against each other. On the field: Benny Goodman, Tommy Dorsey, Woody Herman and many other.” Ja, das kann ein toller Abend werden und um den dress code müssen wir uns auch keine Gedanken machen.

*) Jetzt stöhnen manche auf, weil man solche Wortbilder heute eigentlich nicht mehr nutzen kann. In London ist die Anrede “Ladies and Gentlemen” ab sofort unerwünscht. Statt dessen wird man beispielsweise in der Underground per Lautsprecherdurchsage mit “Good morning everyone” begrüßt. Man will die Sprache gender-neutraler machen. Mir geht das langsam auf die Nerven. Aber ich bin auch in einem Alter, wo man sich als old-school bezeichnen darf. Ich verstehe es langsam nicht mehr, wer sich von was beleidigt fühlt.

 

 

Die Proms-Konzerte in den nächsten beiden Monaten sind eigentlich nicht teuer. Für einen Superstar wie Daniel Barenboim zahlt man Preise zwischen 20-80 Euro. Dafür bekommt man das Eröffnungskonzert mit großen Orchester geboten. Also ein wundervoller Abend in dieser einmaligen Musikhalle. Wenn man kein Konzert besuchen kann oder will, dann sollte man wenigstens einmal eine Führung mitmachen, die meines Wissens täglich angeboten werden. Leider darf man nicht fotografieren, das fand ich sehr ärgerlich.

 

 

Wundern Sie sich nicht über die Stahlkonstruktion vor dem Eingang der Musikhalle. Nein, das ist keine missglückte Kunst, sondern leider notwendige Absicherung. Seit den Terrorangriffen mit LKWs, hat sich London konsequent gegen diese Art Attacken abgesichert. So gut es eben geht, denn es sind tausende von Touristen da und die wollen natürlich freie Sicht und ungehinderten Zugang haben. Manchmal ein schwieriger Kompromis. Die London Bridge wurde mit Barrieren abgesperrt, die den vielen Radfahrern das Leben schwer machen. Aber was soll man sonst machen?

 

 

 

Ich war einmal bei einer ‘Last Night of the Proms’ dabei. Richtig mitten drin, in der tobenden Royal Albert Hall. Unvergesslich, keine Frage. Aber es ist schon verdammt kostspielig und darüber hinaus auch noch ein Glücksroulette, ob man denn tatsächlich Karten zugelost bekommt. Bei uns hat es geklappt, aber dafür hat George sein Netzwerk genutzt. Das ist Touristen natürlich nicht möglich. Wenn man trotzdem einmal live dabei sein möchte, dann bietet sich das Hyde Park Konzert an. Dort wird alles, was in der Halle passiert, live übertragen. Allerdings ist auch das nicht kostenfrei. Mit ca. 50 Euro sind sie dabei. Eintritt schon am frühen Nachmittag. Wenn es dann abends losgeht, hat man die erste Flasche Sparkling Wine bereits geleert. Die Stimmung bleibt aber trotzdem friedlich und bis Mitternacht ausgelassen beschwingt. Garantiert.

 

 

Buy your ticket – and good luck!

 

PS: Das Beitragsbild zeigt Barney, den Security Dackel der Royal Albert Hall. Er gehört einem der fest angestellten Wachmänner und ist damit automatisch Mitglied des Teams. Ich beneide ihn, denn Barney muß sich um Karten keine Gedanken zu machen. Was der wohl schon alles erlebt hat?