Früher, als ich noch Kind war und wir noch gar keinen Fernseher hatten, haben wir im Radio gerne den Seewetterbericht gehört. Er wurde einmal täglich, vormittags, vorgelesen. Das dauerte volle zwanzig Minuten und ich wagte kein Wort zu sagen. Gebannt lauschten wir, um ja nichts zu versäumen. Wiederholungen waren noch unbekannt. Der Sprecher, es waren damals nie Frauen, las langsam und monoton vor: “Hoch 1035 Nordengland, etwas abschwächend. Keil 1030 Polen, südostschwenkend …” Dann folgten die Stationen: “Südwestliche Nordsee, Humber Nordost um 3, etwas abnehmend, Englischer Kanal-Ost, Nordnordost 6 bis 7, ostdrehend …” Und das sprach er mit einem ganz, ganz langen oooooo aus. Zum Glück ist das heute kürzer und knackiger geworden. Also nicht nur die Vokale, sondern die ganze Vorhersage. Leider auch schlechter, die Wetterfrösche des NDR sind eine Katastrophe. Ich glaube sie liegen zu 100 % daneben. Da wird gerne noch am Nachmittag verkündet: “Heute erwarten wir in Hamburg noch fünf Stunden Sonne. Trallala, trallala …” Man möchte am liebsten im Studio anrufen und sagen: “Du doofe Nuss, guck doch einfach mal aus dem Fenster. Es schüttet seit heute morgen und in drei Stunden geht die Sonne unter.” Wohlgemerkt, der NDR hat sein Sendestudio in Hamburg-Lokstedt. Wahrscheinlich fensterlos.

 

Der Engländer ist top gekleidet, erzählt aber ziemlichen Unsinn. Der Deutsche tritt salopper auf, bietet aber Tiefgang.

 

Im TV dürfen längst auch die Damen das Wetter verkünden. Aber sie müssen schon einen Abschluß als Diplom-Meteorologin haben, sonst geht das nicht. Jedenfalls nicht bei den öffentlich-rechtlichen. Und eigentlich machen sie ihre Sache gut, wenn auch die Karte im Ersten meistens großflächig einen Mix aus Sonne, Wolken, Regen und Schnee zeigt. Wo die Grenzen sind weiß keiner und so kann man sich etwas aus der bunten Palette aussuchen. Ganz schön schlau.

Cartoon: Matt Pritchett

In England wird das Premium Fernsehen von der BBC gemacht und geliefert. Sie bieten natürlich auch Wettervorhersagen, gekoppelt mit den News. Da wird dann eine kompetente Vorhersage gemacht, immer in perfekter Business Kleidung, und der akademischen Abschluß hindert nicht einen Witz zwischen High and Low einzustreuen. Aber manchmal scheint den britischen Meteorologen der Gaul durchzugehen. Vielleicht hatte man vorher schon irgendetwas gefeiert, auf jeden Fall war der Chef-Wetterfrosch der BBC gestern etwas sehr merkwürdig kurz gefasst. Vor einer aufgeräumten Wetterkarte, mit strahlender Sonne über England, verkündete er: “It’s going to be sunny…and there’s not really much else to say. It’ll be lovely weather… for a brunch and maybe a walk in the afternoon. The clocks go forward tomorrow night…as they often do…well once a year anyway…” Sprach er, grinste in die Kamera und fertig. Das war sogar für englische Verhältnisse irgendwie ganz schön schräg. Aber den Zuschauern gefiel es, genau wie George. Der kommentierte den Auftritt mit großer Zustimmung: “Who ever was doing the weather after the news at 10 needs his own show! He was brilliant! Even telling me what to do tomorrow!” 

The British Broadcasting Company, kurz BBC, ist vergleichbar mit ARD oder ZDF oder gleich beides zusammen. Man ist eigentlich recht konservativ, allerdings auch typisch englisch verschmitzt. Und so feiert nun schon seit vier Jahren die hauseigene Produktion ‘W1A’ Erfolge im abendlichen Unterhaltungsprogramm. In der Serie macht man sich lustig. Über wen? Na klar, über sich selbst. Der merkwürdige Titel ist einfach der Postcode Prefix für das BBC Haus in London. Es liegt in feinster Gegend, zwischen Marylebon und Fitzrovia, am Portland Place, südlich vom Regent’s Park. Aber man muß schon ein bißchen suchen, denn der Eingang zu dem markant geformten Haus ist sehr geschickt in einen Hinterhof hineingebaut worden. Ein willkommenes Fotomotiv und wer sich rechtzeitig anmeldet kann auch an einer Guided Tour in den Studios teilnehmen. Für Kurzentschlossene gibt es auch noch eine andere Möglichkeit, mal einen Blick in die BBC London zu werfen. Dort ist ja nicht nur das Headquarters, sondern dort werden auch viele Sendungen, wie News and Weather, live produziert. Besuchen Sie einfach das Media Café im New Broadcasting House. Eine große Glasscheibe bietet Einblick. Es ist kulinarisch keine Offenbarung, aber die Location macht alles wieder wett.

 

Das BBC Headquarters ist ein bißchen versteckt. Abend wird die Fassade leuchtend blau angestrahlt, dann kann man es kaum übersehen. Rechts: Der Schauspieler Hugh Bonneville vor dem Eingang zur BBC. Er spielt die Hauptrolle in der Comedy Serie ‘W1A’.