Engländer benutzen ihre Autos um von A nach B zu kommen. Sie transportieren damit ihre Einkäufe nach Hause und fahren die Kinder zur Schule. Also genau wie bei uns. Nein, nicht wirklich. Denn der Engländer bewertet sein Auto nach praktischen Nutzen. Er misst ihm keinerlei Statusbedeutung zu. Deshalb werden die Autos auch nur selten oder gar nicht gewaschen. Warum soll der Lack glänzen wenn die Sitze mit Hundehaaren übersäht sind? Warum die Sommerreifen wechseln, wenn es höchstens zwei Tage in London schneit? An denen wundert man sich dann allerdings, dass man nun gar nicht mehr von der Stelle kommt. “What could be the reason for that???” Ich könnte stundenlang weiter kritisieren, aber eigentlich haben sie ja Recht. Warum soviel Aufwand um das Auto machen? Der Engländer sieht es viel entspannter. Da schließt niemand beim Brötchenholen ab, denn wer sollte die alte Karre klauen? Und eine Beule mehr beim Einparken, macht eigentlich auch nix mehr aus.

 

Jeden Winter stellen sich die Londoner die selben Fragen: ‘Winter tyres – what are they, how do they work, and do I really need them?’

 

Gerade wurden neue statistische Zahlen veröffentlich, die die aktuelle Durchschnittsgeschwindigkeit der Autofahrer in Londons Innenstadt betreffen. Es sind keine 28 Stundenkilometer! Und der Wert wird weiter sinken. In einigen Jahren werden die Fußgänger schneller als die Autos vorankommen. Es gibt kaum Hoffnung auf eine Trendwende, denn die Londoner Strassen sind zu schmal und zu verwinkelt, um den Verkehr nachhaltig schneller zu machen. – Auch die anderen Zahlen waren ernüchternd: 32 Stunden pro Jahr steht der Londoner Autofahrer im Stau und London belegt den 993. Platz in Sachen zügiger Autoverkehr unter 1.000 untersuchten Großstädten. Das ist niederschmetternd. Zum Glück habe ich meine Oyster Card und fahre Bus und Bahn.

 

In Londons Straßen geht es eng zu. Da gibt es nur ein Mittel: Eyes closed and let’s go.

 

Man kann also irgendwie verstehen, dass der Londoner mit seinem Auto wenig Freude hat. Eine große Limousine findet nirgends einen Parkplatz. Ein Porsche würde niemals mehr als 112 km/h fahren, das ist inselweit die absolute Höchstgeschwindigkeit, und ein Jaguar müsste die Nacht am Strassenrand verbringen, weil nur wenige eine Garage haben. Das passt alles nicht zusammen und deshalb kauft man die billigste Karre, die man finden kann und kümmert sich nicht weiter um das Ding. Übrigens wurde gerade ein Doppelstellplatz nahe an der Royal Albert Hall für ein halbe Million Euro verkauft. Nun ja, rund um den Hyde Park zahlt man 5,40 Euro pro Stunde (Diesel 8,00 Euro pro Stunden!), da kann man sich ausrechnen wann sich der Kauf amortisieren wird.

Bei aller Gelassenheit der englischen Autofahrer, gab es jetzt aber doch einen schrillen Aufschrei. Nämlich als die Fahrerin zu ihrem geparkten Auto zurückkam. Es stand auf dem Parkplatz eines Baumarktes. Sie stieg ein, zündete sich eine Zigarette an und dann gab es einen ohrenbetäubenden Knall. Zum Glück ist ihr nichts Schlimmes passiert, mal abgesehen vom Schreck. Das Auto sah aus, als wäre eine Bombe explodiert.

 

Man kann es kaum glauben. Der Fahrerin ist nichts passiert. Der Wagen ist schrottreif.

 

Was war passiert? Ein Terrorakt? Nein, nur ein technische Missgeschick. Die Fahrerin hatte sich einen Raumduft in den Wagen gehängt, bestimmt um den Gestank vom nassen Hundefell zu neutralisieren. Ich habe mir auch so etwas an meine Klimananlage gepappt, eigentlich nur weil es den Duft von Vanille versprach und den finde ich irgendwie ‘gemütlich’. Auf der Packung stand: ‘Der Duft wird alles andere überlagern’ oder so ähnlich. Und die hatten nicht zuviel versprochen. Das dünnflüssige Zeug war tatsächlich mehr als dominant wahrnehmbar. Leider erinnerte es mich nicht an Vanille, sondern eher an schmutzige Socken. Die rochen dann intensiv, ganz wie vorhergesagt. Zurück zum englischen Parkplatz. Da war nun also ein Treibgas aus der Duftflasche entwichen und hatte sich irgendwie gemeinsam mit der Zigarette entzündet. Und dann ist das ganze Ding, also die Duftflasche in die Luft geflogen und hat das Auto demoliert. Was für ein Desaster. 

 

Der ‘Duft-Unfall’ passierte auf einem B&Q Kundenparkplatz. Ausgerechnet die Baumarktkette, die vor einigen Wochen stinkende Wandfarbe verkaufte.

 

Ich bin jedenfalls froh, dass ich meinen Duftflakon entsorgt hatte. Wenn ich das Foto vom zerstörten Wagen sehe, wird mit angst und bange. Und es fällt mir natürlich gleich noch die andere Geschichte ein, die ebenfalls mit B&Q zu tun hat. Das ist ein bekannter englischer Baumarkt. Der Engländer und DIY, das ist ein Kapitel für sich. Gemeint ist ‘do-it-yourself’ und das wird als Volkssport betrieben. Vorzugsweise an Feiertagen. Blöderweise haben alle Engländer zwei linke Hände und meistens sehen die kleinen Schäden, die sie reparieren wollen, anschließend richtig katastrophal aus. Da wurden also am letzten Augustwochenende (Bank Holiday!) bei vielen Engländern die Wände gestrichen und hinterher breitete sich ein übler Gestank aus. ‘It smells like cat’s urine or rotting animals,’ lautete das Urteil. ‘One said his room smelt like a “dead soggy mouse” while another said their bedroom was practically uninhabitable.’ Der Hersteller entschuldigte sich und sah den Grund in einer irgendwie gearteten biochemischen Reaktion zwischen Farbe und Keimen im Eimer. Das brachte die Verbraucher erst recht auf die Palme: “If there is a bacteria growing in my walls I want to know what it is and whether it’s going to cause any problems,” schimpfte eine Frau und ich kann sie gut verstehen. Tatsächlich ging es um Bakterien, die ein Gas produzieren, das nach einem Mix aus schlechten Eiern und Ammoniak roch. Die armen Leute werden vertröstet, angeblich soll der strenge Geruch mit der Zeit nachlassen. Das hätte mir gerade noch gefehlt, ein Schlafzimmer das nach üblen Ausdünstungen riecht. George hätte es wohl nicht so viel ausgemacht, der ist da abgehärtet, aber trotzdem.

 

Wenn der deutsche Stecker nicht in die englische Dose passt, dann muß man sich was einfallen lassen. Es ist erstaunlich, dass es in London so viele Baumärkte und so wenige handwerklich begabte Männer gibt. Wo kommen deren Kunden bloß her? – George: “What could go wrong?”