England ist im Umbruch. Die politische Landschaft hat sich letzte Woche komplett verändert, aber man spricht nicht drüber. Die Ergebnisse der ‘Local Elections’, die jetzt endlich vorliegen, sind drastisch. Die bürgerlichen Parteien wurden abgewählt, neue Gruppierungen sind auf dem Vormarsch. Gewählt wurden die politischen Vertreter aller Grafschaften in England und komplett Nord Irland. Sie bilden das Unterhaus und bestimmen damit die Politik in Westminster. Gehen wir das Ergebnis mal durch:

Die Konservativen (Tories) haben drastisch verloren. Sie stellen die Premierministerin (Mrs May) und die Regierung. 

Die Sozial Demokraten (Labour) konnten zulegen; sind jetzt stärkste Partei und würden wahrscheinlich den Premier (Mr Corbyn) stellen, wenn Neuwahlen stattfinden sollten.

Die Schottische National Partei (SNP) hat ihre Wähler halten können.

Die Liberalen (Lib Dem) gehören zu den großen Gewinnern. Sie hatten keinen Platz im Parlament und liegen nun an vierter Stelle.

Die Grünen sind in Groß Britannien eine untergeordnete Partei. Ihre Themen sind traditionell in der Bevölkerung verankert und werden deshalb von allen Parteien bedient.

Die Brexit Partei ist der große Gewinner. Nigel Farage, der die populistische UKIP gegründet hatte und unmittelbar nach dem Referendum wieder auflöste, machte die Sache noch einmal. Kurz vor der Local Election liess er seine Partei unter neuen Namen auferstehen und erhielt aus dem Stand 20 % der Wählerstimmen. Das heißt, diese Partei liegt sogar vor den Konservativen. Erschreckend ist vor allem, dass wirklich jedermann bei seiner Partei willkommen ist. Kaum einer hat auch nur ein Mindestmaß an Qualifikation.

Gerade sagte ich, die UKIP Partei heißt jetzt Brexit-Partei, das ist nicht ganz richtig. Die alte UKIP gibt es noch immer, es ist inzwischen eine rechte Splitterpartei. Sie findet wenig Zustimmung.

Und dann gibt es noch eine Überraschung, nämlich die CHANGE-Partei. Im Volksmund TIGgers genannt. Das ist der Name des verspielten Tigers in Winnie-the-Poo und es sind auch die Anfangsbuchstaben ihres Gründungsnamens, nämlich The Independent Group. Diese Partei gründete sich vor wenigen Wochen und besteht aus Tories- und Labour-Abgeordneten, die aus Protest gegen die Brexit-Politik, ihre Parteien verlassen haben. 

Sollte in Kürze eine General Election stattfinden, und davon ist auszugehen, dann müssen die Konservativen um ihre Existenz fürchten. Alles spricht dafür, dass Labour gewinnen wird und dann tatsächlich der krasse Aussenseiter Jeremyn Corbyn britischer Premier werden wird. Manchen wird bei dem Gedanken angst und bange, denn Mr Corbyn steht extrem weit links. Das Großkapital hat bereits angekündigt, dass man in dem Fall die Insel verlassen wird. Man rechnet mit einer Kapitalabwanderung in Höhe von £1 trillion. Da wird selbst einer stabilen Volkswirtschaft, wie sie in UK vorhanden ist, ziemlich schwindlig. Mich wundert, dass dasselbe Argument im Zusammenhang mit einem harten Brexit, völlig wirkungslos ist. Es zeigt, dass die Bindung an die EU eine emotionale Angelegenheit ist. Da zählen keine logischen oder arithmetischen Argumente. Da geht es einfach nur um die ‘Freiheit’, die man um jeden Preis zurückerobern will. Ich glaube, wir sollten es tolerieren.