Nicht jeder Besucher ist willkommen. In Hamburg sehen wir skeptisch dem geplanten G20 Gipfel entgegen. Anfang Juli (7./8.) treffen sich die Staatschefs mitten in der Millionenstadt. Ob das gut geht? Da Deutschland aktuell den Vorsitz in diesem Kreis hat, kam die Kanzlerin um die Einladung nicht herum. Und da wollte sie ihrer Geburtsstadt vielleicht eine Freude machen. Aber irgendwie springt der Funke nicht so recht über, denn man fürchtet den innerstädtischen Ausnahmezustand. Den Kindern gibt man wahlweise schulfrei, aber die Erwachsenen müssen sehen, wie sie zur Arbeit kommen. Warten wir es ab und sehen der Sache positiv entgegen. Immerhin eine weltweite Werbung für Hamburg. Keep calm and carry on. 

Ein anderer Gast wird uns vielleicht mehr Freude machen. Der Duke und die Duchess of Cambridge haben sich nämlich auch im Juli angekündigt. Offizieller Staatsbesuch in Deutschland. Super. Aber ich fürchte sie werden wieder “nur” in Berlin Station machen. Ob William und Kate ihre Kinder mitbringen? Ich nehme es stark an, denn wer könnte unsere Herzen schneller gewinnen als George und Charlotte? Und genau darum geht es wohl, denn man will eine Charmeoffensive starten. Während in Brüssel um die Austrittsbedingungen hart verhandelt wird, sollen die Royals uns ihre Sympathie zeigen. We had not meant it badly oder wie William es schon beim letzten Deutschlandbesuch ausdrückte: “The depth of Britain’s friendship would not change after Brexit.” Ich hoffe das ‘mein’ George es auch so hält.

 

Staatsbesuch kündigt man heute per Twitter an. – Letzte Jahr kam William alleine nach Düsseldorf. Frau Merkel kommt mit ihren Händen in Tüdel, wie man in Hamburg so sagt.

 

Gesundheitlich ist die Queen ein bißchen holperig ins Jahr gestartet, aber jetzt ist sie wieder ganz die Alte. Sie versprüht Energie und Freude, wo immer sie auftaucht. Besonders oft besucht sie ihre Soldaten und die danken es ihr immer mit einer operettenhaften Inszenierung. Eine Militärkapelle spielt ‘God save the Queen’, dann öffnet sich die Wagentür, sie steigt aus und begüßt einen nach dem anderen. Dabei wirkt sie lockerer denn je und der Eindruck trügt nicht. Denn sie selbst sagte in diesen Tagen zu einem der Offiziere: “I thinks I have become a little less frightening as I have aged.” Sehr sympathisch, ich mag Leute mit Selbstreflektion.

 

Kommt die Queen zu Besuch, dann nimmt jeder Haltung an. Das gilt auch für das Regimentsmaskottchen, ein frisch geföhnter Ziegenbock.

 

Wer nach London reist, um royale Tradition zu sehen, könnte enttäuscht werden. Aus Sicherheitsgründen wird das ‘Changing the Guard’ nach wie vor nicht täglich am Buckingham Palace durchgeführt. Aktuell findet es meistens nur montags, mittwochs, freitags und sonntags statt. Aber es gibt Alternativen. Denn die Königin packt gerade den Koffer für die Osterferien oder ‘Easter Court’ wie es offiziell benannt wird. Tatsächlich sind es keine Ferien, denn auch im Castle gilt für die Queen ‘business as usual’. Man plant vom 27. März bis 28. April in Windsor zu residieren und natürlich wird die Leibwache sie begleiten. Wir nehmen sie als Touristen Entertainer wahr, aber ihr eigentlicher Job ist der Schutz der Königin. Sie sind hoch effiziente Bodyguards in pittoresker Uniform. Rund um die Uhr, wo immer die Königin sich befindet. Und das heißt, das man die Foodguard im April täglich, außer sonntags, beim Wachwechsel in Windsor erleben kann. “With all the trimmings”, wie George es kommentiert.  

 

Windsor an der Themse. Die Gegend ist immer einen Ausflug wert.

 

Übrigens würde es mich nicht wundern, wenn die Queen diesmal einen besonders kritischen Blick auf das Schloß werfen wird. Denn bald wird sie mit ihrem Mann dort auf Dauer leben und arbeiten, sobald die Renovierung im Buckingham Palace startet. Aber die Monarchin lebt mobiler als in ihrer Generation üblich. Jedes Jahr reist sie durch ihr Königreich und wechselt regelmäßig die Residenzen. Ganz wie im Mittelalter und aus denselben Gründen: Man muß alle Untertanen bei Laune halten. Aus 2015 kenne ich konkrete Zahlen, sie geben die Anzahl der Übernachtungen an: Buckingham Palace: 88, Windsor Castle: 159, Sandringham: 54, Balmoral: 58 und Palace of Holyroodhouse (Schottland): 4. Und wo war sie in den fehlenden zwei Nächten? Vermutlich irgendwo auf Staatsbesuch.

 

Die Footguards begleiten und bewachen die Königin, wo immer sie hingeht. Ganz nebenbei unterhalten sie auch die Touristen. Eine bühnenreife Show.