Genau wie bei uns ist das Rauchen in England längst geächtet und der Verkauf von Alkohol an Minderjährige verboten. Da muß ich keine neuen Regeln lernen. Stutzig wurde ich allerdings in den letzten Tagen über ein Schild im Supermarkt, auf dem zu lesen war, das Eier und Mehl ab sofort nicht mehr an Jugendliche unter 16 Jahren abgegeben werden. Why????

George gab mir einen Hinweis: “Trick or treat” und gefühlte zehn Minuten später fiel dann auch bei mir der Groschen: Halloween steht vor der Tür. Am Samstag ist es soweit, dann ziehen Kinderscharen von Tür zu Tür. In England soll das wilde Treiben recht beliebt sein. In London finden zahlreiche Veranstaltungen statt, letztlich alles alkoholhaltige Parties, und auf dem Land öffnen sich knarzend die Türen der uralten Herrensitze. Dort werden jetzt Geistertouren im Stundentakt angeboten.

halloween
Ganz schön witzig. Der kleine Kerl scheint Halloween zu kennen. Es geht auch deutlich geschmackloser, warten Sie es ab …

Ich bin kein Halloween Fan. Plädiere dafür, dass wir nicht alles aus den USA übernehmen müssen und lerne dann, hier in England, das der Ursprung des Festes in Irland zu finden ist. Irgendein Jack wollte dort den Teufel austricksen, was prompt schief ging, und natürlich wurde er bestraft. Er wurde fortgejagt und durfte nur eine brennende Kohle in einer ausgehölten Rübe mitnehmen. Mit dem schweren Ding suchte er sich seinen Weg durch die finstere Nacht. Seitdem kennt man die Jack-o’-lantern Lichter. Und weil man Kürbisse viel leichter aushöhlen kann, wurde die Zuckerrübe durch den pumpkin ersetzt. 

roadkill
… George hat ein roadkill rabbit für die Kollegen gekauft. Ich finde die Sache grenzwertig, aber er ist sich des Erfolges sicher.

Ich werde Abstand halten. Das Halloween Wochenende verbringe ich lieber in Hamburg, in der Hoffnung niemanden die Haustür öffnen zu müssen. Engländer lieben skurrile Situationen. Je absurder desto besser und plötzlich schmeissen sie auch alle Zurückhaltung über Bord. Während ich vor Scham im Erdboden versinke, gibt George dem Affen auch noch Zucker. Und damit habe ich eine brillante Überleitung zum eigentlichen Thema meines heutigen Beitrages.

Der Zuckerkonsum in England ist gigantisch. in Drinks und Snacks finden sich Zuckermengen, die mit nichts zu rechtfertigen sind. Leider haben die Menschen verlernt sich gesund zu ernähren. Sie können nicht mehr kochen, und was ich noch bedenklicher finde, sie haben den Sinn für gesunde Nahrung verloren.

Die Folgen sind unübersehbar; die Fettleibigkeit nimmt drastisch zu. Das sagen die statistischen Zahlen und das sieht man überall auf den Strassen. Besonders traurig macht mich die Zunahme von Fettleibigkeit unter den Kindern. Bereits im Vorschulalter sind einige deutlich zu dick und wenn sie auf die weiterführenden Schulen wechseln, habe sie bereits ernste Krankheiten, wie z.B. Diabetes, Typ B.

Wenn ein erwachsener Mensch seine Gesundheit gefährdet, und bereit ist die Konsequenzen ohne Klagen zu ertragen, dann ist es seine Sache. Und bevor wir jetzt alle zustimmend nicken, sollte ich klarstellen, dass auch zu wenig Bewegung oder zu viel Aggression eine Gesundheitsgefährdung darstellen. Beides nur Beispiele aus tausend ungesunden Verhaltensweisen. Also viele, ich inklusive, sind aufgefordert einmal kritisch Bilanz zu ziehen.

Im englischen Somerset passierte in diesem Sommer etwas, dass mich gewaltig ins Grübeln bringt. Vielleicht haben sie schon von Somerset gehört? Es ist eine besonders liebliche Landschaft im Süd-Westen der Insel. Ein Naturparadies, gut 100 Kilometer von London entfernt, ziemlich dünn besiedelt. Dort leben viele seltene Tiere, u.a. wilde Ponys, die ohne jede Hilfe zurecht kommen. Es sind freundliche, eher scheue Geschöpfe. Man trifft sie nur selten auf den wenigen Straßen an, die durch das Gebiet führen.

pony
Ein Quantock Pony in Somerset. Es lebt hier völlig frei in der Natur.

Neuerdings aber wird vor den Pferden gewarnt. Es häufen sich Unfälle und schmerzhafte Attacken zwischen Pony und Besucher. Die Pferde suchen auf einmal den Kontakt zu den Menschen. Sie versuchen ihren Kopf in offene Autotüren zu stecken. Einer Frau wurde das Bein gebrochen, als ein Pony sie regelrecht umrannte. Andere sprechen von bissigen Begegnungen. 

warning
Diese Schilder sind neuerdings in Somerset aufgestellt. Ich konnte es erst gar nicht glauben, was dort zu lesen ist.

Tierärzte und Zoologen gingen der plötzlichen Verhaltensänderung der Tiere auf den Grund und sie sind sich inzwischen sicher: Die Tiere sind sugar-crazed! Man darf in der Gegend Picknick machen und viele nutzen es. Der Engländer ist ganz verrückt nach Essen im Freien, egal ob im Naturschutzgebiet oder im Hyde Park. Leider bringen die Menschen inzwischen ihre ungesunde Nahrung mit und lassen sie liegen. Also Fertiggerichte, Snacks, Fizzy-Drinks … Alles voller Zucker.

Man weiß, dass z.B. Ratten und Pferde genauso zuckerabhängig werden können, wie wir. Jetzt zeigen sich die dramatischen Folgen. Die Tiere werden nicht nur körperlich krank, nein, ihr Verhalten ändert sich. Sie werden aggressiv.

Ziehen Sie ihre eigenen Schlüsse. Ich denke so mancher kommt jetzt auch ins Grübeln. – Vielleicht werde ich doch Halloween in London feiern? Erstens fühle ich mich dort sauwohl, zweitens lasse ich mich von George gerne überraschen. Aber es kommt mir noch ein ganz anderer Gedanke in den Kopf. Wäre es nicht eigentlich recht klug, dem Teufel einen Abend zu widmen anstatt ihn ganzjährig ins Leben zu lassen?

london-halloween
Auf Gruseltour im Tower, George an meiner Seite. Das könnte nett werden.