… sonst wird man ganz schnell verlieren.

Als ich George in der Ankunftshalle des Hamburger Flughafens entdecke, schießt mir das Adrenalin ins Blut. Vierzehn Tage können ganz schön lang sein.

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Gerade gelandet. Gleich treffen wir uns im Terminal 1, Fuhlsbüttel.

Er hat einen großen Koffer bei sich, das sieht vielversprechend aus. Ich hatte Glück mit dem Parkplatz, der Weg ist kurz. Bevor ich losfahre muß ich mich erst einmal beruhigen, mein Herz springt Trampolin.

Wohin soll ich denn eigentlich fahren? Zu dir oder zu mir?” Die ‘luxuriöse’ Wahl ist noch gewöhnungsbedürftig. “To you, what else?” “Aha.”

Eigentlich blöd, aber vielleicht dem einen oder anderen bekannt: Mein Versuch George nicht merken zu lassen, wie es gerade um mich steht. Warum macht man das? Heute morgen kann ich über diese Art Fragen nicht nachdenken, dafür fehlt mir der Sauerstoff im Gehirn. Statt dessen stehe ich unter zwanghafter Aktivität. Irgend etwas machen, egal was. Hauptsache die ‘lärmende’ Stille wird übertönt. Also greife ich zum Radio, drehe es an und fahre los. 

Prima denke ich bei mir, denn einer meiner Favouriten wird gespielt. Ich liebe den Song, es ist tolle gute Laune Musik. Genau das richtige. Aber der Text! Auf den habe ich wohl nie geachtet. Du meine Güte, das ist mir jetzt aber doch etwas peinlich:

It’s a beautiful night
We’re looking for something dumb to do
Hey baby
I think I wanna marry you

So legt Sänger Bruno Mars los. George guckt mich prüfend von der Seite an. Ich schaue stur geradeaus und suche hektisch nach einem klugen Satz. So ‘was will mir jetzt aber gerade gar nicht im Hirn auftauchen. Statt dessen schallt es aus den Lautsprechern:

Is it the look in your eyes
Or is it this dancing Juice?
Who cares, baby
I think I wanna marry you 

Jetzt dreht George lauter. Keine Frage, da ist ein ‘big smile on his face’. Das macht ihm richtig Spaß. “Nice song! Your welcome gift? Is there any deeper message?” “Äham. What? Wie?”

Don’t say no, no, no, no, no
Just say yeah, yeah, yeah, yeah, yeah
And we’ll go, go, go, go, go
If you’re ready, like I’m ready

George sonnt sich in Wohlbehagen, während ich mich gegrillt fühle. Und er setzt auch noch prompt einen drauf: “You saved the music on an USB stick? Nice, we can repeat it?”  “Nein, ich glaube jetzt eher nicht!” Ich starre auf die rote Ampel und höre es in mir flüstern: Sag jetzt irgend’was. Dann endlich der erlösende Einfall: “Did you already get your EU driving licence?” Jetzt kann George nicht mehr an sich halten, schallendes Gelächter und heftiges Kopfnicken ist seine Antwort.

Nun, man muß wissen, daß Engländer (Briten) keinen Ausweis haben. Sie weisen sich meistens mit dem Führerschein aus. Auch beim Standesamt.

Ding, dong schallt es aus den Lautsprechern. Der Hochzeitsmarsch in Stereo.

Als mir dämmerte, wie unfreiwillig komisch meine Frage war,  mußte auch ich loslachen und die ganze blöde “Verkrampfung” löste sich in Luft auf. Warum ist es (manchmal) so schwierig einfach seine Gefühle zu zeigen? Man muß sich ja nicht gerade wie ein vor Freude springender Hund gebärden, aber ein ‘leichtes Schweifwedeln’ wäre wohl auch in der Öffentlichkeit erlaubt.

Der Song “Marry you” von Bruno Mars ist ein tolles Lied. Eine Mischung aus Reggae und R&B. Einmal gehört, kriegt man ihn nicht mehr aus dem Kopf. Ein Ohrwurm und bereits 2011 in den englischen Charts ganz oben notiert. George kannte es natürlich bestens und freute sich über die Steilvorlage.

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Don’t make a fool of yourself. Sich selbst den Maulkorb umzubinden ist keine gute Idee.